Auch Rom um Sicherheit besorgt

18. November 2015, 14:15
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Alfano: Starke Sicherheitsvorkehrungen – Weniger Pilger auf dem Petersplatz – Franziskus: Tore müssen offen bleiben

Vatikanstadt – Nach den Terroranschlägen von Paris hat sich der italienische Innenminister Angelino Alfano über die Sicherheit in Italien besorgt gezeigt. Rom sei genauso gefährdet wie Paris, sagte Alfano am Mittwoch. Papst Franziskus rief unterdessen die Gläubigen auf, sich trotz der Terrorgefahr nicht zu verschließen.

"Rom und Italien sind wie Paris der Terrorgefahr ausgeliefert. Wir arbeiten daran, die Gefahr zu senken", sagte Alfano in einem TV-Interview. Seit Jahresbeginn seien 56.000 Personen, 8.000 Fahrzeuge und 160 Schiffe bei Anti-Terror-Maßnahmen durchsucht worden. 55 Personen seien wegen fundamentalistischer Propaganda ausgewiesen worden.

Alfano erinnerte daran, dass die Sicherheit in Rom im "Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit", das der Papst am 8. Dezember eröffnet und für das Millionen Pilger nach Rom kommen werden, besonders wichtig sei: "Rom und der Papst sind das Ziel hasserfüllter Drohungen."

Papst hält an "Heiligem Jahr" fest

Der Papst selbst betonte in seiner Rede bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz, dass die "Tür der Barmherzigkeit Gottes" jederzeit offen sein müsse und alle aufnehmen könne. Man müsse aber "den Mut aufbringen, die Schwelle dieser Tür zu überschreiten". Etliche Kommentatoren und Politiker hatten in den vergangenen Tagen den Papst aufgefordert, das mit der Öffnung der Heiligen Pforte des Petersdoms am 8. Dezember beginnende Jubiläumsjahr abzusagen oder zumindest zu verschieben. Doch der Papst gab zu verstehen, dass er an seinen Plänen festhalte.

"Das Heilige Jahr rückt die große Tür der Barmherzigkeit Gottes ins Blickfeld, doch es geht auch um die kleinen Türen unserer offenen Kirchen, damit dort der Herr eintreten kann oder damit in unseren Strukturen, in denen unser Egoismus den Herrn gefangen hält, hinauslassen kann", erläuterte der Papst. Die Pforte gilt gemeinhin als "Schutz für die Hausbewohner", doch das bedeute nicht, dass sie abweisend sein dürfe. Neben der Schutzfunktion nannte der Papst auch die Gefahren: Die Tür dürfe nicht aufgebrochen werden, man müsse stattdessen immer um Erlaubnis, um Einlass bitten.

Nach den Terroranschlägen von Paris hat die Pilgerzahl bei der Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz deutlich abgenommen. Er erreichte an Bord seines Papamobils den Platz, der nicht wie üblich überfüllt war. Auch in den Straßen rund um den Petersplatz war es ruhiger als normal. Das Aufgebot an Sicherheitskräften ist gestiegen.

Hunderte Millionen mehr für Sicherheitsmaßnahmen

Italien plant, die Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen zu verstärken. Ins Visier der Attentäter in Frankreich seien "Soft Targets" wie ein Fußballstadion, ein Konzerthaus und Restaurants geraten, die schwer zu schützen seien, sagte Alfano. Die Regierung bestätigte Pläne, mehr Geld für die Sicherheit zur Verfügung zu stellen. Offenbar will sie bis zu 300 Millionen Euro zusätzlich für den Einsatz von Soldaten und Polizisten ausgeben.

Zuvor hatte der vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin in Radio Vatikan zugegeben, dass sich auch der Vatikan mit der Terrorgefahr auseinandersetzen müsse. Niemand könne heute ausschließen, dass weitere Anschläge in Europa oder spezifisch im Vatikan verübt werden könnten. (APA, 18.11.2015)

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