Angeklagter Ex-BND-Mitarbeiter: Bereue Spitzeldienste für die USA

18. November 2015, 14:00
2 Postings

32-Jähriger legte bei Prozess in München umfangreiches Geständnis ab

München/Washington/Moskau – Ein wegen Landesverrats angeklagter früherer Mitarbeiter des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt und Bedauern über seine Spitzeldienste für die USA geäußert. "Zu allererst möchte ich sagen, dass mir mein Handeln leidtut", sagte der 32-jährige Markus R. am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München.

Er wolle versuchen, zur Aufklärung des Falls beizutragen, kündigte der Bürokaufmann zu Beginn seines ausführlichen Geständnisses an. Geld sei nicht sein ausschlaggebendes Motiv gewesen, sagte R., der in bescheidenen Verhältnissen in München lebte. Getrieben hätten ihn vielmehr die Unzufriedenheit mit seiner eintönigen Tätigkeit in der Verwaltung des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach und Abenteuerlust.

Markus R. ist unter anderem wegen Landesverrats und Bestechlichkeit in besonders schweren Fällen angeklagt. Ihm droht im äußersten Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, er habe von 2008 bis 2014 Hunderte vertrauliche Dokumente des BND an den US-Geheimdienst CIA geliefert und dafür mindestens 95.000 Euro bekommen. Kurz vor seiner Festnahme im Sommer 2014 soll R. auch dem russischen Geheimdienst SWR Unterlagen zugespielt haben. Der Fall hat das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland zusätzlich belastet, das bereits wegen der Aktivität des US-Geheimdienstes NSA (National Security Agency) getrübt war.

Der 32-Jährige räumte am Mittwoch detailliert ein, über die Jahre hinweg rund 300 bis 350 Dokumente an die CIA weitergegeben zu haben. Darunter sei auch eine umfangreiche Personaldatenbank gewesen – diese soll Decknamen und echte Identitäten deutscher Agenten im Ausland enthalten haben. Der Mann war im Juli 2014 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. (APA, 18.11.2015)

Share if you care.