Sprich über deine Abtreibung vor einer Kamera

20. November 2015, 07:31
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Frauen erzählen von ihrer Abtreibung, teurer Spaß Vagina und wenn ein Kind erklären muss, dass pinke Socken für Füße da sind und nicht nur für Mädchen

Frauensolidarität: Als Samie Detzer nach dem Abbruch ihrer Schwangerschaft die Klinik verließ, aß sie Enchiladas. Sie weinte, sie lachte, sie nahm drei Vicodin. "Was nach ihrem Abbruch nicht passierte: Sie fühlte sich nicht traurig, wütend oder verletzt. Sie erzählte es auch nicht jenem Mann, von dem sie schwanger war", schreibt das "Bitch Magazine" über Detzers Abtreibung. Eine Geschichte, die wir aufgrund der neuen Video-Serie #ShoutYourAbortion aus erster Hand kennen. Schuld und das Gefühl, mit dem Erlebten allein zu sein, sich schlecht fühlen zu müssen, womöglich Schuldgefühle zu haben, weil keine Schuldgefühle da sind – diese Motive kommen in den Erzählungen der Frauen immer wieder vor. Es zeigt sich, wie sehr Abtreibung noch immer eine Tabu ist. Die Geschichten der Frauen stammen aus unterschiedlichen Zeiten und diversen sozioökonomischen Hintergründen. Leslie kam etwa als 20-jährige Frau gerade in Jerusalem an, als sie merkte, dass sie schwanger war. Abtreibung war illegal, doch eine Fremde half ihr, machte drei Telefonanrufe und "rettete mein Leben". Ein beeindruckendes Zeugnis gelebter Frauensolidarität.

#shoutyourabortion official

"Ehrliche Geschichten über Abtreibung verändern das Narrativ: Wir sind nicht länger schlecht, weil wir taten, was nötig war. Stattdessen sind wir gestärkt, gestärkt durch die Entscheidung, mit unserem Körper zu tun, was wir für richtig halten. Gestärkt durch die Entscheidung, keine Mutter sein zu wollen", heißt im "Bitch Magazine".

#shoutyourabortion official

#ShoutYourAbortion ist bei Weitem nicht die erste Aktion, bei der Frauen selbst öffentlich über Abtreibung sprechen. Mehr über das Abortion Storytelling Movement gibt es hier.

Was es kostet, eine Vagina zu haben: Die Kosten für Abtreibungen, die oft nicht geteilt werden, gehören dazu. Aber auch sonst ist der Umstand, eine Vagina zu haben, ziemlich teurer. Das Bust Magazine listet sieben Dinge auf, die das Leben mit einer Vagina kostspielig machen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich, dass Frauen weniger verdienen – klar. Und dann läppern sich auch noch Kosten und Steuern auf Tampons und andere Hygieneartikel, Massen von Einwegrasierern, Verhütungsmittel oder Medikamente gegen Scheidenpilze zusammen. Die vollständige Liste, visuell unterstützt, gibt es hier. Das Kreditinstitut Buddy Loans hat für Großbritannien nachgerechnet und Mehrkosten in der Höhe von 849.96 Pfund errechnet. So können Kredite also auch an die Frau gebracht werden.

Liebe im Zeitalter des Internets: Aziz Ansari hat ein Buch über die Liebe geschrieben: Wie geht sie im Zeitalter von zahlreichen Dating-Apps, was bringen diese, und welche gesellschaftlichen Grenzen lassen sich durch sie womöglich etwas verschieben? "Parks and Recreation"-Fans kennen Ansari als Tom Haverford und vermuten wie auch der Blog kleinerdrei, dass er in diesem launigen Sachbuch nicht in dumpfe Geschlechterklischees abrutscht. Beleg für seinen Humor und seine Haltung ist dieser Auftritt bei David Letterman:

minorprobpark

Als Autor von "Modern Romance" feiert er die neue Technologien weder ab, noch verteufelt er sie, heißt es auf kleinerdrei. Ansari führt aber einige interessante Aspekte an, etwa den Nutzen von Dating-Apps für Inderinnen. "Wenn Du in der Öffentlichkeit flirtest, bringt dir das als jungen Menschen richtig Ärger. Vor allem von den jungen Frauen wird erwartet, keusch in die Ehe zu gehen, und sie riskieren es, Schande über die Familie zu bringen, wenn sie erwischt werden, wie sie Interesse an einem Mann zeigen", zitiert der Blog aus dem Buch.

Kluges Kind: Und wenn ein Bub einer Erwachsenen erklären muss, für wen rosa Socken letztlich da sind, sieht das so aus:

(red, 20.11.2015)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

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