Immofinanz will sich mit weiteren Anlegern vergleichen

18. November 2015, 12:48
2 Postings

Immofinanz legt für Vergleiche mit geschädigten Anlegern weitere elf Millionen Euro auf den Tisch

Wien – Die börsennotierte Immofinanz legt für Vergleiche mit geschädigten Anlegern weitere 11 Mio. Euro auf den Tisch. Das Vergleichsangebot sei mit den Rechtsanwaltskanzleien Poduschka, Benedikt Wallner sowie Köb/Reich-Rohrwig ausgearbeitet worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Es betrifft 1.230 Anleger und 420 Verfahren. Die Anlegeranwälte empfehlen ihren Mandanten, das Offert anzunehmen.

Anfang November hatte die Immofinanz bereits einen 60 Mio. Euro schweren Vergleich mit dem Prozessfinanzierer Advofin geschlossen. Dabei ging es um Verfahren mit mehr als 3.000 Anlegern. Aktienrechtlich müssen alle Kläger gleich behandelt werden.

"Durch die mit Advofin erzielte außergerichtliche Lösung sowie durch die nunmehr bekanntgegebenen angestrebten Vergleiche können bis zu 95 Prozent der offenen Verfahren (gemessen an der Anzahl) abgeschlossen werden", erklärte die Immofinanz in der Aussendung. Auch für die weiteren Gerichtsverfahren strebt der Konzern Vergleiche an.

Bei dem nun angebotenem Vergleich haben sich die ursprünglich geltend gemachten Ansprüche auf rund 39 Mio. Euro belaufen. Die betroffenen Anleger sollen in den nächsten Wochen über das Angebot entscheiden. Die Anlegeranwälte stehen hinter dem Verhandlungsergebnis, wie Rechtsanwalt Michael Poduschka gegenüber der APA bestätigte.

Angemessener Betrag für Geschädigte

"Das vorliegende Angebot vermindert das Risiko für alle Beteiligten. Und vor allem stellt es sicher, dass die geschädigten Anleger sehr bald einen angemessenen Betrag erhalten", erklärte Anwalt Benedikt Wallner in der Immofinanz-Aussendung. Auch Advokat Andreas Köb rät zur Annahme. "Unerfahrene Anleger müssen nicht weitere viele Jahre Prozesse führen und bekommen eine faire Quote". Bei geltend gemachten Ansprüchen von 39 Mio. Euro und einem Vergleichsangebot von 11 Mio. Euro beträgt die Quote rund 28 Prozent.

Insgesamt sind beim Handelsgericht (HG) Wien sowie beim Bezirksgericht für Handelssachen Wien mehr als 500 Anlegerverfahren anhängig, darunter auch einige Sammelklagen. Vom gesamten Streitwert in Höhe von rund 240 Mio. entfallen etwa 217 Mio. Euro auf die von Advofin betreuten Verfahren.

Für Stefan Frömmel, Vorstand der Immofinanz-Tochter Aviso Zeta, sind die Vergleiche ein "wichtiger Schritt, um mit der Vergangenheit abzuschließen und Rechtssicherheit zu schaffen". Laut früheren Angaben sind die damit verbundenen Aufwendungen großteils durch bestehende Rückstellungen im Konzernabschluss der Immofinanz AG abdeckt. Im Halbjahres-Finanzbericht sei mit der aufwandswirksamen Erfassung eines Restbetrags in geringer zweistelliger Millionenhöhe zu rechnen.

Bei dem Rechtsstreit geht es um Anleger, die mit Wertpapieren von Immofinanz und deren Tochtergesellschaft Immoeast Geld verloren haben. Die Immofinanz-Aktie hatte allein 2008 nach einem aufgeflogenen Skandal 90 Prozent ihres Wertes verloren. Die Ansprüche wurden vor allem gegenüber der zur Immofinanz gehörenden "Bad Bank" Aviso Zeta, der früheren Constantia Privatbank, geltend gemacht. Vielfach wurden aber auch externe Wertpapiervermittler wie AWD wegen Fehlberatung verklagt.

Neben den Anlegerklagen hatte die Causa auch strafrechtliche Konsequenzen. Erst Ende Oktober hat der Oberste Gerichtshof (OGH) die Untreueurteile gegen den damaligen Immofinanz-Chef Karl Petrikovic und den früheren Immofinanz-Aufsichtsratschef Helmut Schwager bestätigt. Petrikovics war im April 2013 zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, Schwager zu viereinhalb Jahren. (APA, 18.11.2015)

Share if you care.