Tod, Einsamkeit, Melancholie: Welche traurigen Serien haben Ihre Kindheit begleitet?

User-Diskussion19. November 2015, 05:30
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Früher war alles besser? Definitiv nicht, wenn es nach den Zeichentrickserien der vergangenen Jahrzehnte geht. Hier war eigentlich alles immer nur schlimm. Wie sind Sie als Kind damit umgegangen?

Das Leben meint es nicht gut mit der kleinen Sara. Einst als Tochter eines sagenhaft reichen Inhabers einer Diamantenmine ins Londoner Internat gekommen, stirbt zunächst der geliebte Vater und wird sie in der Folge zur Dienstmagd des Internats degradiert und Schikanen aller Art ausgesetzt.

Nicht viel besser ergeht es Perrine, die sich, ebenfalls verwaist, gemeinsam mit ihrem Hund Baron auf den Weg zum verbitterten alten Großvater macht, der aber nichts von ihr wissen will.

Und auch Niklaas in Flandern hat das Glück nicht gepachtet. Alle, die er liebt, sterben oder ziehen weg, er kämpft jeden Tag aufs Neue ums Überleben und hat dabei doch nur den großen Traum, einmal Rubens' Meisterwerke zu sehen. Immer dabei: sein treuer Hund und bester Freund Patrasch. Im japanischen Original sterben die beiden am Schluss, zumindest das wurde deutschsprachigen Kindern erspart.

Sehr viele sehr traurige Charaktere

Ein Großteil der Anime-Serien für Kinder entstand seit den 1970er-Jahren in den japanischen Studios Nippon Animation. Der erste große internationale Erfolg "Heidi" – die Erste in einer langen Reihe von Waisenkindern – führte zur Gründung der Reihe "World Masterpiece Theater", in der bis zu ihrer Einstellung 1997 jährlich ein Roman als Zeichentrickserie verfilmt wurde. Auch vermeintlich fröhliche Serien umgab hier eine gewisse Grundmelancholie. Pinocchio sah zwar lustig aus, auch Puschel, das Eichhorn war ein süßes kleines Ding, und die drei Musketiere waren Hunde, aber dennoch waren sie mit schweren Entscheidungen, Einsamkeit, Vertrauensbrüchen und harten Schicksalsschlägen konfrontiert.

Diese kollektive Trauer versuchen die heutigen Erwachsenen auch in sozialen Medien zu verarbeiten. Die Facebook-Gruppe "Ja, auch ich bin ein Opfer von Perrine" widmet sich dem gemeinsamen Trauma, wie auch die Beiträge der Besucher zeigen: "In diesem Sinne möchte ich anmerken: Niklaas lebt!!! (Was interessiert mich das Ende der japanischen Originalversion? ;) )" und "Perrine ist der Grund dafür, dass ich Sozialarbeiterin bin! ;)".

kixi kinder mediathek
Ja, Perrine, bitte wein nicht mehr.

Wie haben Sie das Trauma verarbeitet?

Warum waren die Serien früher so traurig? Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie die Serien Ihrer Kindheit wiedersehen? Zeigen Sie die alten Folgen auch Ihren eigenen Kindern? Wieso ist der Tod der Eltern immer ein zentrales Element der Handlung? Und wie hart waren wir eigentlich als Kinder? (aan, 19.11.2015)

  • Bitte, schau nicht so traurig, Niklaas.
    foto: studio 100 (vertrieb universum film)

    Bitte, schau nicht so traurig, Niklaas.

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