Australiens "Tag in der Hölle"

18. November 2015, 17:03
30 Postings

Buschbrände sorgen für eine 70 Kilometer lange Feuerfront, durch die vier Menschen ums Leben gekommen sind – darunter möglicherweise drei Deutsche

Esperance, das bedeutet in der Regel türkisblaues Wasser, unberührte Inseln und einen der schönsten Strände Australiens. Derzeit aber fühle es sich in der 10.000-Einwohner-Stadt an der Südküste von Down Under an wie ein "Tag in der Hölle", wie Regionalpräsidentin Victoria Brown sagte. Mehrere Feuer rund um Esperance hätten sich zu einem "Inferno", zu einer bis zu 70 Kilometer langen Feuerfront vereinigt, der nun mindestens vier Menschen zum Opfer gefallen sind.

Medienberichten in Australien zufolge handelt es sich bei den Opfern um drei deutsche Rucksacktouristen und einen Bauern, bei dem die drei gearbeitet haben sollen. Dies konnte die Polizei nicht offiziell bestätigen, weil noch keine Identifizierung der Toten möglich gewesen sei – dies könne noch Tage dauern. Ein Sprecher der Lokalregierung sagte aber, dass es sich bei drei der vier Opfer um Ausländer handle.

Bauer wollte noch Nachbarn warnen

Wie Wayne Gregson, Feuerwehrkommandant des betroffenen Bundesstaates Western Australia, erklärte, seien die vier Opfer in zwei Autos gefunden worden. Der australische Sender ABC berichtete, bei einem der toten Männer handle es sich um einen Bauern, der Nachbarn vor dem herannahenden Feuer warnen wollte. Landwirte, die sich an den Löscharbeiten beteiligt hatten, erzählten, in einem zweiten Fahrzeug hätten sich drei junge Rucksacktouristen aus Deutschland befunden. Meldungen über zwei weitere Todesopfer wollte Gregson nicht bestätigen.

Seit Tagen kämpfen rund 200 Einsatzkräfte vom Boden und aus der Luft gegen die Feuerfront, die sich in der Gegend um Esperance mit bis zu 100 Stundenkilometern ausbreitete. Mehr als 300 Menschen aus dem Gebiet zwischen Norseman im Norden und Esperance im Süden mussten bisher ihre Häuser verlassen. Australische Medien zogen bereits Vergleiche mit dem "Black Saturday", der bisher größten Brandkatastrophe Australiens, als im Februar 2009 173 Menschen im Bundesstaat Victoria einem Feuer zum Opfer fielen.

Blitze lösten Brände aus

Laut australischer Feuerwehr wurden die jetzigen Brände vermutlich durch Blitzeinschläge ausgelöst und hätten sich durch starke Winde, hohe Temperaturen von bis zu 40 Grad und eine seit längerem andauernde Trockenheit ausgebreitet und bislang 300.000 Hektar Land zerstört. Zwar sprach das Wetteramt am Mittwoch davon, dass sich die Lage in den vergangenen Stunden etwas gebessert habe, gleichzeitig sagte es aber Wetterbedingungen voraus, die das Risiko für Western Australia wieder erhöhen würden.

Buschbrände im australischen Sommer von Dezember bis Februar kommen relativ oft vor, doch solch große Feuer zu einem solch frühen Zeitpunkt sind doch ungewöhnlich. Wissenschafter machen den Klimawandel für eine erhöhte Feuergefahr in vielen Regionen Australiens verantwortlich. (Urs Wälterlin aus Canberra, 19.11.2015)

  • Ein Feuerwehrauto, das im Februar 2009 im australischen Bundesstaat Victoria vor den Flammen flieht. Medien vergleichen die aktuellen Buschbrände mit dem damaligen "Black Saturday" .
    foto: ap

    Ein Feuerwehrauto, das im Februar 2009 im australischen Bundesstaat Victoria vor den Flammen flieht. Medien vergleichen die aktuellen Buschbrände mit dem damaligen "Black Saturday" .

Share if you care.