Goldpreis fällt auf Fünfjahrestief

18. November 2015, 08:06
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Der Euro-Kurs fällt weiter und geht in Richtung Parität zum Dollar, von seinem Status als Krisenwährung kann das Edelmetall derzeit nicht profitieren

London/Frankfurt – Der Goldpreis ist am Dienstag auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren gefallen. Eine Feinunze (31 Gramm) kostete am Abend 1.068 US-Dollar und damit so wenig wie seit Jänner 2010 nicht mehr. Zum Vortag gab die Feinunze damit um 14 Dollar nach. Von seinem Status als Krisenwährung kann das Edelmetall derzeit nicht profitieren – trotz der angespannten globalen Sicherheitslage nach den Terroranschlägen von Paris. Auch der Silberpreis gab nach, allerdings nicht so stark wie Gold.

Seit Ende Oktober hat die Feinunze Gold etwa 100 Dollar an Wert verloren. Ein wichtiger Grund liegt in der Stärke des Dollar, der das in der US-Währung gehandelte Edelmetall für viele Anleger verteuert. Der Dollar legt im Wert zu, weil die amerikanische Notenbank auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise zusteuert. Mit höheren Zinsen fällt zudem ein gravierender Nachteil der Goldanlage schwerer ins Gewicht: Sie ist zinslos.

In Euro gemessen lag der Goldpreis in den vergangenen fünf Jahren schon tiefer: Anfang 2014 kostete die Feinunze weniger als 900 Euro, aktuell etwas mehr als 1.000 Euro.

Euro auf tiefstem Stand seit April

Eine entgegengesetzte Geldpolitik in den USA und der Eurozone drückt laut Experten auch auf den Eurokurs, der am Dienstag mit knapp mehr als 1,06 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit April gefallen ist. Die EZB dürfte ihre Geldpolitik im Dezember noch weiter lockern. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet bekräftigte am Dienstag einmal mehr seine Sorgen über eine anhaltend niedrige Inflation sowie die Handlungsbereitschaft der EZB. "Es gibt Risiken, und das ist der Grund, warum wir weitere Schritte erwägen", so Praet. Ein niedriger Leitzins macht eine Währung für Anleger weniger attraktiv.

Auch die Ölpreise sind weiter unter Druck und bewegen sich in der Nähe des tiefsten Standes seit Ende August. Die Terroranschläge von Paris hatten das Öl zu Wochenbeginn nur kurzzeitig Öl verteuert. Laut Experten der Commerzbank könnte das höhere politische Risiko die Ölnachfrage aus Europa dämpfen, während es andererseits das Angebot im Nahen Osten beeinflussen könne. "Diese beiden Faktoren dürften sich weitgehend ausgleichen, sodass der Einfluss auf die Ölpreise letztlich begrenzt sein dürfte." (APA, red, 18.11.2015)

  • 100 Dollar Wertverlust innerhalb von wenigen Wochen: Die Feinunze Gold kostet so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr.
    foto: apa / keystone / martin ruetschi

    100 Dollar Wertverlust innerhalb von wenigen Wochen: Die Feinunze Gold kostet so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr.

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