Neuer Linzer Bischof: Scheuer Wanderprediger mit Heimatgefühl

Kopf des Tages17. November 2015, 19:23
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Der gebürtige Oberösterreicher Manfred Scheuer war seit 2003 Innsbrucker Bischof

Linz – Die journalistische Neugierde bezüglich eines möglichen Jobwechsels befriedigte der scheidende Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer stets mit einem schlichten "unrealistisch". Tatsächlich war der 60-jährige gebürtige Oberösterreicher, der 2003 von Papst Johannes Paul II. zum Innsbrucker Bischof ernannt wurde, nach längerer Eingewöhnungsphase in Tirol angekommen. Was man in der Nuntiatur zwar mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm, letztlich aber kein Grund war, Scheuer bei diversen Bischofsernennungen nicht auf den Dreiervorschlag zu setzen.

Zuletzt soll der begeisterte Skifahrer, der beim traditionellen Seelsorger-Riesentorlauf am Patscherkofel stets alles gibt und dabei schon so manch legendäre Brezen gerissen hat, als neuer Salzburger Erzbischof im Rennen gewesen sein – und sich dagegen erfolgreich gewehrt haben.

Rückkehr zu den Wurzeln

Doch die karrieretechnische Verschnaufpause war kurz. Und das jüngste päpstliche Jobangebot deutlich mehr als eine neue Bischofsmütze. Da war plötzlich viel an Erinnerung dabei: die unbeschwerte Kindheit, der Duft frischer Semmerln in der elterlichen Backstube im oberösterreichischen Haibach ob der Donau, die ersten Skier mit sieben von der Großmutter (" ohne Stahlkanten und Belag – die haben bei nassem Schnee furchtbar gepickt"), das Theologiestudium in Linz (und Rom), die Zeit als Spiritual am Linzer Priesterseminar und die bis heute enge Verbundenheit mit vielen Menschen in der Diözese. Das neue Amt als Linzer Bischof ist für Manfred Scheuer eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Bischofsamt nie angestrebt

Das Bischofsamt hat der liberale und für seinen Humor bekannte "Mann der Mitte" stets mit großer Bereitschaft zu Kirchenreformen eigentlich nie angestrebt. Die Aufgabe als Bischof sei sehr spannend, allerdings wäre er lieber Spiritual, geistlicher Begleiter oder Professor geblieben: "In der Theologie kann ich das mehr umsetzen, was in mir selbst steckt."

Am 10. Oktober 1980 wurde Scheuer in Rom zum Priester geweiht. Von 1985 bis 1988 arbeitete er als Assistent am Institut für Dogmatik und Ökumene an der Theologischen Fakultät der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg. Nach der Zeit am Linzer Priesterseminar unterrichtete er an den Universitäten in Freiburg, Salzburg und St. Pölten. Anschließend wurde der passionierte Bergsteiger Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Trier. (Markus Rohrhofer, 18.11.2015)

  • Manfred Scheuer soll auch schon als Salzburger Bischof im Rennen gewesen sein – und sich dagegen gewehrt haben.
    foto: apa/diözese innsbruck/aichner

    Manfred Scheuer soll auch schon als Salzburger Bischof im Rennen gewesen sein – und sich dagegen gewehrt haben.

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