Klosterleben für 58 junge Flüchtlinge

18. November 2015, 09:00
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Neues Quartier im Wiener Servitenkloster, Kirche betreut ein Drittel der Flüchtlinge

Wien – Das leerstehende Servitenkloster in Wien-Alsergrund wird wieder mit Leben gefüllt: In den kommenden Tagen ziehen 58 unbegleitete junge Flüchtlinge ein. Am Dienstag wurde die "Wohngemeinschaft Refugio" von Kardinal Christoph Schönborn, Caritas-Präsident Michael Landau und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SP) eröffnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Gebäude als Flüchtlingsherberge dient. 2013 fungierte das Servitenkloster kurzfristig als Quartier für jene Aktivisten, die die Votivkirche besetzt hatten.

Drei Wohngemeinschaften

Die Mädchen und Burschen, die nun im Servitenkloster leben werden, stammen überwiegend aus Afghanistan, Somalia und Syrien. Es wird drei Wohngemeinschaften für 14- bis 18-Jährige und eine für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 20 Jahren geben.

Vor allem Schönborn zeigte sich zufrieden mit der neuen Funktion des Servitenklosters und verriet: "Ich gestehe, dass die Versuchung groß war, hier mit Investoren zu arbeiten." Es sei in Diskussion gewesen, daraus eine Unterkunft für junge Führungskräfte zu machen, die für einige Monate in der Stadt arbeiten. Als Caritas-Präsident Landau mit der Idee, aus dem Kloster eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu machen, an ihn herangetreten ist, sei dies "fraglos" keine Debatte gewesen.

Gelebte Nächstenliebe

Doch trotz offensichtlicher Bemühungen sieht sich die katholische Kirche weiter der Kritik ausgesetzt, zu wenig für Flüchtlinge zu tun. Man mag der Kirche vielleicht zu Beginn der Flüchtlingskrise ein gar zu zögerliches Handeln attestieren – doch nach so manch mahnendem Appell an die christliche Nächstenliebe ist in der kirchlichen Flüchtlingsbetreuung viel passiert. Jeder dritte Asylwerber in Österreich wird derzeit von der kirchlichen Caritas betreut.

6.000 Asylwerber sind im Rahmen der Grundversorgung in Caritas-Quartieren untergebracht. Das seien deutlich über zehn Prozent aller Grundversorgungsplätze. Weitere 15.000 Menschen werden von der Caritas mobil betreut, zog Kardinal Schönborn anlässlich der jüngsten Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz Bilanz.

Zusätzlich sind in den einzelnen Diözesen Flüchtlingskoordinatoren im Einsatz – und zuletzt wurde ein eigenes Referat "Flucht, Migration und Integration" in der österreichischen Bischofskonferenz geschaffen. Betraut wurde damit der burgenländische Bischof Ägidius Zsifkovics.

Speziell richtet sich die Kritik an Klöster, die über viel Platz, aber zu wenige Flüchtlingsquartiere verfügen sollen. Doch bei vielen Orten klösterlichen Lebens geht der Vorwurf ins Leere: So sind im Stift Göttweig derzeit ebenso Flüchtlinge untergebracht wie etwa im Stift Lilienfeld oder im Kloster Hainfeld.

Das Stift Klosterneuburg hat die ehemalige Kaserne erworben und für Flüchtlinge hergerichtet. Das Kloster St. Gabriel in Mödling hat seit langem ein großes Quartier für jugendliche Flüchtlinge. Auch im Meierhof im Stift Melk wurden Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge eingerichtet. (APA, Markus Rohrhofer, 18. 11. 2015)

  • Das Servitenkloster in Wien-Alsergrund dient wieder als Flüchtlingsherberge. Die Eröffnung übernahm Kardinal Christoph Schönborn.
    reuters/bader

    Das Servitenkloster in Wien-Alsergrund dient wieder als Flüchtlingsherberge. Die Eröffnung übernahm Kardinal Christoph Schönborn.

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