Die Strippenzieher

Einserkastl17. November 2015, 17:50
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Den Verschwörungstheoretikern genügen entgleiste politische Dynamiken nicht als Erklärung

In einem Posting unter einem Artikel steht sie wieder einmal, die mitleidige Aufforderung, doch einmal nachzudenken: Dann würde ich schon draufkommen, wer die Attentate von Paris verübt hat. Nachdenken ist immer gut, dass einem dabei der große Strippenzieher einfällt, der irgendwo sitzt und sich nun ins Fäustchen lacht, dazu braucht man jedoch eine spezielle Gabe.

Wollen wir den Verschwörungstheoretikern einmal zugutehalten, dass sie so betroffen und fassungslos vor den Ereignissen stehen, dass ihnen entgleiste politische und gesellschaftliche Dynamiken einfach nicht als Erklärung genügen: Wie kann so etwas passieren, wenn nicht ein genau definierter Wille am Anfang steht, ein Skript, das eine dunkle Macht in ihrem Sinne realisiert? Und wir armen Idioten merken es nicht und glauben das, was wir sehen: psychopathische Mörder, überforderte Geheimdienste, ein Krieg im Nahen Osten – wo nicht nur die USA, sondern auch die Europäer im 20. Jahrhundert heftig mitgemischt haben -, der zum Terrorkatalysator wird.

Durchaus salonfähig ist zuletzt die Theorie zur Flüchtlingskrise geworden, dass die USA den Nahen Osten mit Absicht destabilisiert haben (dieser Teil ist nicht neu), damit die EU von Flüchtlingen überschwemmt wird und daran zerbricht: So wird Europa daran gehindert, zum Herausforderer der amerikanischen Hegemonie zu werden. Verdammt, dabei waren wir so nah dran! Oder? (Gudrun Harrer, 17.11.2015)

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