Valartis Bank soll an Wiener Privatbank gehen

18. November 2015, 06:00
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Interesse an Geschäft und Immobilie – Valartis-Holdings stecken in akuter Geldnot

Wien – Der Verkauf der Wiener Valartis Bank ist durch die Turbulenzen auf Holdingebene etwas durcheinander geraten. Ihre Mutter, die liechtensteinische Valartis Finance Holding AG, sowie die Schweizer Valartis Group AG haben "einen temporären Liquiditätsengpass". Die Schweizer haben Nachlassstundung für sechs Monate beantragt; so lang sind Konkurs und Pfändung ausgeschlossen.

Die Liechtensteiner Finanzholding bekam Ende Oktober Konkursaufschub für vier Monate. Das wurde am Montag bekanntgegeben. Öffentlich gemacht wurde auch der Plan, die zwei Privatbanken – jene in Österreich und jene in Liechtenstein, die, notabene, von den Zahlungsproblemen nicht betroffen sind – zu verkaufen.

In Wien laufen längst Verhandlungen. Das hiesige Institut gehörte bis 2008 der Anglo Irish Bank, wurde dann von Valartis übernommen. In Summe hat die Bank (inklusive Kapitalanlagegesellschaft) ein verwaltetes Vermögen von rund 1,3 Milliarden Euro – zudem gehört ihr das Haus hinter dem Wiener Rathaus, in dem sie untergebracht ist.

Nervosität steigt

Die jüngsten Veröffentlichungen aus der Schweiz und Liechtenstein hätten zwar nichts mit dem Verkauf zu tun, wie intern betont wird, allerdings befürchten potenzielle Erwerber, Kunden und Bankbelegschaft könnten "nervös werden". Es soll nun also schnell gehen mit dem Verkauf. Verhandelt haben zuletzt Semper Constantia Privatbank, Bank Winter und Wiener Privatbank.

Semper Constantia (gehört mehrheitlich der Haselsteiner-Familien-Stiftung) soll ihr Interesse verloren haben, die Bank Winter würde zwar den Kundenstock übernehmen, will aber angeblich sehr wenig, bis nichts dafür zahlen. Zuschlagen dürfte die Wiener Privatbank rund um Conwert-Gründer Günter Kerbler; sie will Geschäft und Immobilie. Dem Vernehmen nach wird der Vertrag demnächst unterschrieben.

Die Probleme der Holdings stammen aus der Umstrukturierung der Valartis Gruppe. Die Holdings haben 2014 die Tochterbanken gekauft, finanziert wurde das aber mit Krediten dieser Banken. Die Aufsichtsbehörden erlauben das nicht, inzwischen haben die "gruppeninternen Kreditgeberinnen" das Geld "fällig gestellt", wie es in der Aussendung der Valartis Group AG heißt. Insgesamt geht es um konzerninterne Schulden von 107 Mio. Euro, die die Holdings derzeit nicht zahlen können. (gra, 18.11.2015)

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