Faymann und Mitterlehner bei "Pro & Contra": Geeint gegeneinander

17. November 2015, 17:01
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Die beiden wollten Montagabend auf Puls 4 zumindest an der Oberfläche das Bild einer geeinten, funktionsfähigen Regierung abgeben

Bei einer Sendung, die Pro & Contra heißt, sind eristische Schlagabtausche erwartbar, wenn nicht erwünscht. Nicht so, wenn zwei Hälften einer Koalition, wie Bundeskanzler Werner Faymann und sein Vize Reinhold Mitterlehner, zum Thema Flüchtlinge auftreten.

Die beiden wollten Montagabend auf Puls 4 zumindest an der Oberfläche das Bild einer geeinten, funktionsfähigen Regierung abgeben. An der Oberfläche gelang das auch. Sie attackierten einander nicht. Da schnaufte höchstens einmal der Kanzler, als der Vizekanzler Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán verteidigte. Man habe doch die Flüchtlingslager in Ungarn gesehen, erinnerte Faymann. Nach außen meinte das Regierungsduo: Man müsse an den EU-Außengrenzen etwas tun, es brauche Verteilerzentren und eine gerechte Aufteilung in der EU. Doch wer aufpasste, hörte die Reizwörter der Koalition.

Die gemeinsame Schule etwa, die Faymann einforderte – auch in Sachen Integration. Mitterlehner warnte, Migrantenkinder würden andere "bremsen". Faymann klagte, Hetzer würden in Europa eine gemeinsame Lösung verhindern, und weigerte sich, Familien in Not im Stich zu lassen. Mitterlehner sprach lieber von der "Industrie der Schlepper", von "überforderter Bevölkerung" und der Sorge, dass "wirklich die Schutzbedürftigen und nicht mehr kommen". Und er sprach, wenn er über Flüchtlinge redete, nur von Männern. (In jener Nacht brachte übrigens eine geflohene Frau in Spielfeld ein Mädchen zur Welt.)

Die "überforderte Bevölkerung" kam auch zu Wort. Ortschefs, Helferinnen, eine Schuldirektorin, eine Therapeutin. Sie alle hatten kein Problem mit Flüchtlingen – aber mit der Regierung. (Colette M. Schmidt, 17.11.2015)

  • Die Sendung "Pro und Contra" vom 16.11.2015.
    foto: screenshot/puls4

    Die Sendung "Pro und Contra" vom 16.11.2015.

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