Fransen runter: Der Langpony

Kolumne18. November 2015, 05:30
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Im vergangenen Jahr schnitt sich Beyoncé einen Mikropony. In diesem Herbst hängen die Stirnfransen eine Etage tiefer

Eigentlich soll es hier nicht um Königshäuser gehen. Aber wenn sich ein Mitglied der britischen Royals Stirnfransen schneiden lässt, schauen eben alle hin. Kate, die Herzogin der Herzen, hatte vor zwei Monaten genug von ihren eingedrehten Wellen. Zu brav, zu bieder, zu altbacken, die Schere sollte der Jungmama zu einem legereren Auftritt verhelfen. Anlässlich ihres ersten Arbeitstages nach der Geburt ihrer Tochter ließ Kate also vorne herum einige Zentimeter fallen. Das Ergebnis? Ein zaghafter Modernisierungsversuch der Marke "ausbaufähig".

Kein Wunder, dass das Haarexperiment der Herzogin so halbgar endete. Der "Gringe", die einsilbige Abkürzung von "grown out fringe", bedarf eben auch der lässigen Attitüde seiner Trägerin. Nicht umsonst ist er das Markenzeichen verwegener Frauen. Solcher wie Jane Birkin, die es Ende der Sechzigerjahre mit Serge Gainsbourg aufnahm. Oder heute Caroline de Maigret, die wahrscheinlich erst den Zigarettenrauch in die Luft bläst, bevor sie sich die herausgewachsenen Stirnfransen aus der Stirn pustet.

Solche stirnbefransten Frauen sind gerade omnipräsent. Dakota Johnson überstand "Fifty Shades of Grey", indem sie sich die Haare über die Stirn hängte. Auch die ehemalige Modejournalistin Eva Chen, die für die Social-Media-Plattform Instagram jetzt ihre Kontakte spielen lässt, ließ sich vor rund einer Woche Stirnfransen schneiden – natürlich nicht ohne den Friseurbesuch auf Instagram festzuhalten.

Und das argentinische Model Mica Arganaraz? Eroberte mit seinem lockigen Langpony nicht nur die Laufstege von Louis Vuitton und Chanel, sondern eben erst das November-Cover der französischen "Vogue".

Vogue Paris by @mariotestino st @emmanuellealt hair @jamespecis make up @picalucia @vogueparis @vivamodel

Ein von Mica Arganaraz (@micarganaraz) gepostetes Foto am

Die britische Boulevardpresse kam natürlich nicht drumherum, auf weitere Vorteile des langen Ponys hinzuweisen. Unliebsame Falten ließen sich unter langen Stirnfransen wunderbar verstecken. Darauf hatte schon vor zwei Jahren die Schauspielerin Jane Seymour, heute 64, hingewiesen. Statt Botox also Pony, die Bezeichnung "Botox fringe" war geboren.

Zum Glück lassen sich Frauen wie Vika Gazinskaya von solchen Meldungen nicht beeindrucken. Die russische Modedesignerin hält ihrem verstrubbelten Langpony schon lange die Treue. Lässigkeit ist eben mehr als nur ein Haarschnitt. (Anne Feldkamp, 18.11.2015)

After Valentino show.

Ein von VIKA GAZINSKAYA (@vikagazinskaya) gepostetes Foto am

  • Herzogin Kates zaghafter Modernisierungsversuch.
    foto: reuters/jackson

    Herzogin Kates zaghafter Modernisierungsversuch.

  • Model Mica Arganaraz mit lockigem Langhaarpony auf dem Laufsteg für Chanel.
    foto: apa/epa/langsdon

    Model Mica Arganaraz mit lockigem Langhaarpony auf dem Laufsteg für Chanel.

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