Künstlerhaus: Zweidrittelmehrheit für Haselsteiner

17. November 2015, 15:53
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Das Wiener Künstlerhaus ist ab 2018 Spielstätte für "Kunst der Republik"

Wien – Die Zukunft des Künstlerhauses ist besiegelt: Für die Kooperation mit Hans Peter Haselsteiner holten sich Geschäftsführer Peter Zawrel und Präsident Michael Pilz Montagabend in einer außerordentlichen Hauptversammlung den Segen der Mitglieder des Vereins Gesellschaft bildender Künstler Österreichs. Wie berichtet (der STANDARD, 2. 10.), sieht der Deal die dringend notwendige bauliche Sanierung des Gebäudes (rund 30 Mio. Euro) vor; die wird ebenso von Haselsteiners Familienprivatstiftung finanziert wie die jährlichen Erhaltungskosten von etwa 700.000 Euro.

Im Gegenzug bekommt die Stiftung Nutzfläche: 75 Prozent verbleiben inklusive der verpachteten (u. a. Stadtkino) bei den Mitgliedern, für Ausstellungen liegt der Wert – nach der Renovierung – bei 50 Prozent. Das Erdgeschoß wird von der Stiftung gemeinsam mit der Albertina mit "Kunst der Republik" (nach 1918) bespielt. Auf Anfrage bestätigt Haselsteiner eine Justierung der ursprünglichen Pläne (Österreichische Kunst nach 1945). Die Ausrichtung orientiert sich an der Wiedereröffnung im September 2018 und zwei Jubiläen (150 Jahre Künstlerhaus, 100 Jahre Republik).

"Risikopartnerschaft" befürchtet

In der künftigen Betreibergesellschaft hält Haselsteiner 74 Prozent und das Künstlerhaus eine Sperrminorität von 26 Prozent. Bis zuletzt irritierte dieser Umstand: Einen Teil der Mitglieder werten dies als "Risikopartnerschaft" und befürchten über die Umwandlung in ein Privatmuseum den Verlust der Autonomie.

Der größte Kritikpunkt: die aus der Gründung der neuen Betreibergesellschaft resultierende Grundbucheintragung. Unterstützt wurden die Skeptiker von Gerhard Ruiss (IG Autorinnen/Autoren), der in einem etwa von Hermann Nitsch, Robert Menasse, Cathérine Hug und Wilhelm Holzbauer unterzeichneten Brief die Einräumung von Nutzungs- statt Mehrheitseigentumsrechten forderte.

Hans Peter Haselsteiner ist mit dem Ausgang zufrieden, insbesondere "über die Eindeutigkeit des Votums, denn die Gegner werden ja nicht zu agitieren aufhören". 145 Mitglieder votierten für den Deal, 69 dagegen, "vier Stimmen waren ungültig", erläutert Peter Zawrel. 185 Mitglieder (47,7 Prozent) hatten ihre Zustimmung stillschweigend erteilt, da sie gar nicht erst zur Abstimmung gekommen waren (Wahlbeteiligung: 52,3 Prozent). (Olga Kronsteiner, 18.11.2015)

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