Der Spuk des Jungweintrinkens

Kolumne26. November 2015, 08:38
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Frisch und fröhlich: Die Anforderungen an den Jungwein halten sich in Grenzen

Es muss in den 1990er-Jahren gewesen sein, als sich der unselige Hype des Jungweintrinkens auch hierzulande ausbreitete. Vorbild war Frankreich mit seinem Theater um den "Beaujolais nouveau", einen schnell vergorenen Billigrotwein, der traditionell am dritten Donnerstag im November der Welt präsentiert wird.

Bei uns setzt man dabei auf früh reifende Weißweinsorten, die als "Junger Österreicher" oder "Steirischer Junker" allherbstlich den Markt überfluten. Der mit Spannung erwartete Vorbote des neuen Jahrgangs soll "Schwung in so manch dunkle Abendstunde bringen", wie es die "Bauernzeitung" unlängst so poetisch formulierte.

Aromatechnich kaum als Wein erkennbar

Man kann nur hoffen, dass sich nicht der gesamte Jahrgang so präsentiert wie sein Vorbote, der aromatechnisch kaum mehr als Wein erkennbar ist. Einzige Anforderung: Frisch und fröhlich soll er sein, federleicht und spritzig: geschmacksbefreiter Light-Wein sozusagen.

Ratlose Gastronomen berichten, Gäste würden schon im August nach dem neuen Jahrgang verlangen, während gereifte Weißweine schier unverkäuflich seien. Aber man soll ja niemanden zu seinem Glück zwingen.

Der Spuk des heiteren Jungweintrinkens geht gottlob rasch vorbei: Fachleute empfehlen wohl nicht grundlos, ihn bis Faschingsende auszutrinken. Dann ist wieder Schluss mit lustig. (Christina Fieber, RONDO, 26.11.2015)

  • Früh reifende Weißweinsorten überfluten als "Junger Österreicher" oder "Steirischer Junker" im Herbst den Markt.
    foto: apa / roland schlager

    Früh reifende Weißweinsorten überfluten als "Junger Österreicher" oder "Steirischer Junker" im Herbst den Markt.

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