Rezession in Japan: Abenomics am Abgrund

Kommentar16. November 2015, 18:05
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Es hapert mit der Erneuerung des verkrusteten Systems

Japan kommt nicht in die Gänge. Mit dem nun auch offiziell besiegelten Rückfall in die Rezession bekommt die Politik von Ministerpräsident Shinzo Abe mehr als Kratzer. Vielmehr stehen er und die nach ihm benannte Politik "Abenomics" vor einem Scherbenhaufen.

Geld drucken, Konjunktur mit Staatsausgaben ankurbeln und Strukturreformen vorantreiben lautete seine dreisäulige Devise. Doch während die ersten beiden Vorgaben übererfüllt wurden, hapert es mit der Erneuerung des verkrusteten Systems. Jüngstes Zeichen des Scheiterns: Japan befindet sich nach der Bekanntgabe der Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal auch offiziell in der Rezession.

Dabei waren es gar nicht die Exporte: Trotz schwacher Nachfrage in China und dank des künstlich niedrig gehaltenen Yens stiegen die Ausfuhren von Juli bis September. Es liegt vielmehr an den rückläufigen Investitionen, die der Wirtschaft zu schaffen machen. Die Konzerne horten lieber ihr Geld oder expandieren im Ausland.

Abe sollte die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Für Wirtschaftstreibende sind die Eckdaten seiner Politik beängstigend. Das Defizit macht heuer sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus – und das bei einer ohnehin schon rekordverdächtigen Staatsverschuldung von 250 Prozent. Könnte sich Tokio nicht auf billige Staatsfinanzierung im Inland verlassen – das Land wäre längst bankrott. Abes Strohfeuer ist längst verbrannt. (Andreas Schnauder, 16.11.2015)

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