"Horizont"-Chefredakteurin: "Man kann ein Fachmedium auch schön machen"

Interview17. November 2015, 07:00
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Marlene Auer wechselte vom Gourmet- zum Medienmagazin. Die neue "Horizont"-Chefredakteurin über die Herausforderung Medienjournalismus und inserierende Interviewpartner

Wien – Im Jänner bekommt der Manstein-Verlag mit dem ehemaligen Kommunikationschef der Stadt Wien, Oliver Stribl, einen neuen Geschäftsführer. Marlene Auer leitet schon seit 1. November die Redaktion des Horizont, des Medienmagazins des Verlags. Nach dem Abschied des bisherigen Chefredakteurs Sebastian Loudon holte Verlagschef Hans-Jörgen Manstein Auer aus der Gourmetwelt.

STANDARD: Sie waren vor dem "Horizont" bei "Falstaff". Was haben Käse und Wein und Medien und Werbung gemeinsam?

Auer: Die Plattform. Ich wurde als Blattmacherin geholt. Egal ob es um ein Gourmetmagazin oder um ein Branchenblatt geht – der Prozess des Blattmachens ist derselbe. Was die inhaltliche Thematik angeht, tauche ich jetzt in die Branche ein und wurde dort auch sehr freundlich empfangen. Darüber freue ich mich sehr. Die Themen werde ich aber relativ schnell intus haben, glaube ich.

STANDARD: In Ihrem Antrittseditorial schreiben Sie, dass Sie das Blatt weiterentwickeln wollen – in welche Richtung?

Auer: Ich möchte es an zwei Ebenen anpacken. Zum einen an der inhaltlichen und zum anderen an der optischen. Beim Inhalt möchte ich relevante Themenschwerpunkte setzen, und bei der Optik möchte ich das Blatt leserfreundlicher gestalten. Heutzutage soll auch ein Fachmedium angenehm zu lesen sein. Wir sammeln derzeit Ideen und arbeiten diese aus, sie werden schrittweise ins Blatt einfließen. Im ersten Halbjahr 2016 möchte ich hier sichtbare Akzente setzen. So wird es zu einem sanften Relaunch kommen.

STANDARD: Sie sagten, inhaltlich soll der "Horizont" relevanter werden – ist das derzeit ein Manko?

Auer: Ich habe ein sehr gutes Team und auch sehr guten Content. Ich möchte nur die Themen noch ein bisschen stärker in den Vordergrund stellen. Ich sehe kein Manko. Ich sehe die Aufgabe darin, in Richtung Mehrwert zu gehen – ein Thema also mit Hintergrundkästen, Zusatzgeschichten, Subgeschichten oder Grafiken aufzubereiten. Denn natürlich ist unser Medium ein Fachmedium, aber trotzdem weiß nicht jeder alles.

STANDARD: Eine Zeitung hat ja auch eine Persönlichkeit – sie kann seriös sein, sie kann jung sein ... Soll sich das beim "Horizont" auch ändern?

Auer: Seriös ist der Horizont auf jeden Fall, wir sind ein Fachmedium, das ist gar keine Frage. Aber es soll auch anregend sein. Es soll durchaus Freude bereiten, das Blatt zu lesen. Man kann ein Fachmedium auch schön machen.

STANDARD: Wie gehen Sie den Onlinebereich an?

Auer: Das ist ein großes Thema 2016. Dieser Herausforderung muss nicht nur ich mich stellen, sondern viele Medien im Moment: Online zu integrieren oder Online anders zu positionieren. Da sind wir nun am Überdenken der Onlineplattform und überlegen, was konkret wir damit machen. Aber das schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Wenn wir Print einmal weitergebracht haben, gehen wir den Onlinebereich an.

STANDARD: Sie waren vorher beim Radio, der Tageszeitung "Heute", einer Wochenzeitung, einem Magazin, Pressesprecherin der Wiener Umweltstadträtin – ist es eine besondere Herausforderung für Sie, jetzt auf die Metaebene zu gehen?

Auer: Ja, das ist eine große Herausforderung, und ich habe sehr großen Respekt davor. Aber es macht mir Spaß, hier jetzt federführend mitgestalten zu dürfen. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, wie Redaktionen innen ticken – und auch die Pressesprecherei. Also so ganz neu ist mir das Themengebiet nicht.

STANDARD: Der "Horizont" ist als Branchenmagazin in der speziellen Situation, dass die Leute, die in Ihrem Blatt vorkommen, zu einem großen Teil auch die sind, die darin inserieren und das Blatt lesen. Ein Spannungsfeld?

Auer: Das würde ich nicht so sehen. Redaktion ist Redaktion, und Anzeigen sind Anzeigen. Diese Thematik gibt es ja nicht nur bei einem Fachmedium, sondern bei allen anderen Medien auch. Da muss man sensibel damit umgehen. In der Redaktion beschäftigen wir uns mit Geschichten, die für die Branche und unsere Leser relevant sind.

STANDARD: Was meinen Sie mit "sensibel sein"?

Auer: Dass ein allfälliges Inserat nichts mit einer Geschichte über gerade dieses Medienhaus zu tun hat – auch wenn es manchmal nah beieinandersteht.

STANDARD: Ihr Vorgänger Sebastian Loudon hat den Verlag wegen Meinungsunterschieden mit dem Verlagschef Hans-Jörgen Manstein verlassen. Sie sind mit Manstein auf einer Linie?

Auer: Ich bin mit dem Herrn Manstein auf einer Linie, ja. Zur Vergangenheit kann ich nichts sagen, weil ich nicht dabei war. Hans-Jörgen Manstein suchte eine Blattmacherin. Natürlich auch inhaltlich eine Chefredakteurin, aber overall eben jemanden, der das Blatt weiterentwickelt. Und ich glaube, er sieht, dass ich sehr viel Freude daran habe. (Sebastian Fellner, 17.11.2015)

Marlene Auer (28) leitet seit 1. November die Redaktion des "Horizont".

  • "Horizont"-Chefredakteurin Marlene Auer: "Ganz neu ist mir das Themengebiet nicht."
    foto: ian ehm / manstein-verlag

    "Horizont"-Chefredakteurin Marlene Auer: "Ganz neu ist mir das Themengebiet nicht."

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