Marcel Koller lässt den Schweizer ruhen

16. November 2015, 15:54
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Nummer zehn gegen Nummer elf der Welt: Österreichs Fußballer testen die Heimat des Teamchefs

Wien – Es muss sie geben, die Sehnsucht nach dem Banalen, dem Normalen, nach einem gewöhnlichen Fußballspiel. Christian Fuchs, Kapitän des österreichischen Nationalteams, sagt, dass man die Partie am Dienstagabend im Happel-Stadion (20.45) gegen die Schweiz "gerade in Zeiten des Terrors als Ablenkung für die Menschen sehen muss. Dazu ist der Sport auch da." Was die Mannschaft betrifft, muss nicht groß herumgeredet werden. "Wir werden auf Sieg spielen, das ist ganz klar." Der Zehnte der Weltrangliste empfängt den Elften, "da ist es müßig, Rollen zu verteilen".

Für Teamchef Marcel Koller ist es logischerweise ein spezieller Abend. 55-mal hat der 55-Jährige für die Schweiz gekickt, er gelobte, "dass ich nicht jubeln werde, sollte die Schweiz ein Tor schießen. So weit habe ich mich schon unter Kontrolle." Das Team aus seiner Heimat sei mit "guten Spielern" bestückt, besitze "individuelle Klasse und Erfahrung. Sie sind schon länger in der Weltspitze als Österreich. Wir sind jetzt dazugestoßen, es gilt, uns oben zu konsolidieren. Das ist für den Kopf eine ganz andere Situation."

Das Trainingslager in Alicante sei optimal verlaufen, man habe unter perfekten Bedingungen konzentriert geübt. "Und die Spieler konnten in der Sonne beim Kaffee entspannt zusammensitzen, über die EM reden." Die vier Neulinge, Andreas Lukse, Robert Gucher, Karim Onisiwo und Florian Kainz, hätten sich ordentlich präsentiert. "Fußballerisch und menschlich."

Koller muss improvisieren, die verletzten Stammkräfte Robert Almer, Zlatko Junuzovic und Martin Harnik werden durch Ramazan Özcan, Marcel Sabitzer und Jakob Jantscher ersetzt. "Sie kennen unsere Ideen." Weitere Experimente plane er nicht. "Das hängt natürlich vom Spielverlauf ab."

Es geht nicht zuletzt darum, das Jahr 2015 ungeschlagen zu beenden, den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu festigen. "Obwohl irgendwann auch der vorbei sein wird." 1996 hat die ÖFB-Auswahl unter Herbert Prohaska kein Match verloren, allerdings war man nur sechsmal tätig, 2015 achtmal. Ein Remis würde reichen, um auf Weltranglistenplatz neun zu klettern. Koller orientiert sich selten an Statistiken oder Ranglisten. "Sie belegen nur, dass wir fokussiert gearbeitet haben." Er habe vor, im Happel-Stadion zu jubeln. "Nach einem Tor für Österreich. Ich erwarte, dass wir so auftreten wie in den vergangenen Monaten und Jahren." (Christian Hackl, 16.11.2015)

Österreich – Schweiz
Ernst-Happel-Stadion, 20.45 Uhr, live ORF 1, SR Gräfe (GER)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Özcan (Ingolstadt, 4 Länderspiele) – Klein (Stuttgart, 32 Länderspiele/0 Tore), Prödl (Watford, 54/4), Dragovic (Dynamo Kiew, 42/1), Fuchs (Leicester, 71/1) – Baumgartlinger (Mainz, 41/1), Alaba (Bayern München, 41/10) – Jantscher (Luzern, 19/1), Sabitzer (RB Leipzig, 15/3), Arnautovic (Stoke, 47/10) – Janko (Basel, 50/25)

Ersatz: Lindner (Eintracht Frankfurt, 7), Lukse (Altach, 0) – Garics (Darmstadt, 40/2), Suttner (Ingolstadt, 14/0), Hinteregger (RB Salzburg, 9/0), Wimmer (Tottenham, 2/0), Ilsanker (RB Leipzig, 11/0), Gucher (Frosinone, 0), Hinterseer (Ingolstadt, 6/0), F. Kainz (Rapid, 0), Onisiwo (Mattersburg, 0), Okotie (1860 München, 13/2)

Es fehlen: Almer (Austria, Teilabriss des hinteren Kreuzbands), Harnik (Stuttgart, Teilabriss des Außenbandes im Knie), Junuzovic (Werder Bremen, Kniesehnenentzündung), Ch. Leitgeb (RB Salzburg, rekonvaleszent nach Meniskus-OP), Kavlak (Besiktas, rekonvaleszent nach Schulter-OP)

Schweiz: Sommer (Mönchengladbach, 15) – Lichtsteiner (Juventus, 78/5), Klose (Wolfsburg, 11/2), Djourou (HSV, 58/2), Moubandje (Toulouse, 7/0) – Behrami (Watford, 62/2), Inler (Leicester, 88/7), Kasami (Olympiakos Piräus, 10/2) – Shaqiri (Stoke, 50/17), Seferovic (Eintracht Frankfurt, 26/5), Mehmedi (Leverkusen, 37/3)

Ersatz: Bürki (Dortmund, 4), Hitz (Augsburg, 2) – Lang (Basel, 12/2), Widmer (Udinese, 4/0), Schär (Hoffenheim, 17/5), Lustenberger (Hertha BSC, 2/0), Fernandes (Stade Rennes, 53/2), Zuffi (Basel, 2/0), Derdiyok (Kasimpasa, 49/10), Drmic (Mönchengladbach, 24/8), Stocker (Hertha BSC, 32/5)

Es fehlen: Xhaka (Mönchengladbach, Sprunggelenksverletzung), Rodriguez (Wolfsburg, Rückenprobleme und Wadenverletzung), Dzemaili (FC Genoa, Oberschenkelprobleme), Embolo (Basel, Patellarsehnenentzündung), Steffen (YB Bern, Magen-Darm-Grippe)

  • Teamchef Marcel Koller findet es wichtig, dass gerade jetzt normal Fußball gespielt wird.
    foto: apa/epa/bott

    Teamchef Marcel Koller findet es wichtig, dass gerade jetzt normal Fußball gespielt wird.

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