Eagles of Death Metal: Unkorrekt, laut und ziemlich abgerockt

16. November 2015, 14:54
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Ein Porträt der US-Band, die am Freitag beim Massaker im Pariser Club Bataclan knapp mit dem Leben davonkam

Wien – Nach dem Massaker während ihres Auftritts in der Pariser Konzerthalle Bataclan am Freitag hat die kalifornische Band Eagles of Death Metal nun ihre laufende Europatournee endgültig abgebrochen. Alle weiteren Auftritte der Tournee, die sie am 30. November auch in die ausverkaufte Wiener Arena geführt hätte, wurden abgesagt. Zuletzt absolvierten die Eagles of Death Metal in Österreich Mitte Juni vor tausenden Besuchern einen umjubelten Open-Air-Auftritt beim Festival Nova Rock im burgenländischen Nickelsdorf.

Konzipiert und geleitet wird die in wechselnden Besetzungen agierende Band seit Anfang der Nullerjahre von Sänger Jesse Hughes und Schlagzeuger Josh Homme. Ersterer sieht nicht nur aus wie ein aufgrund des Rock-'n'-Roll-Lifestyles reichlich abgelebter Pornodarsteller aus den 1970er-Jahren. Auf dem textlichen Programm der Lieder stehen auch eindeutig diesem lebensfrohen Thema zugeordnete Songs wie "I Want You So Hard", "I'm Your Torpedo" und autoerogene Bekenntnisse wie in "Solo Flights" mit der Textzeile "Nobody does me like I do!"

Mit grimmigem Metal oder gar morbidem Death Metal haben die Eagles of Death Metal rein gar nichts zu tun. Eher schon schrammen sie mit ihren Alben, etwa den programmatischen Songsammlungen "Death by Sexy" und "Heart On", immer knapp an der Grenze zum Sexismus entlang. Politische Äußerungen des Sängers Jesse Hughes lassen darauf schließen, dass der ältere Herr so wie viele Kollegen im Genre der gestandenen härteren Rockmusik eine konservative Weltsicht vertritt, die daheim in den USA eher den Republikanern zuneigt.

Fistelnde Männerchöre

Musikalisch wird die Band von Josh Homme geleitet, der in seinem Hauptberuf als Kopf, Sänger und Gitarrist der stilprägenden und (künstlerisch gesehen) ungleich ernster zu nehmenden Rockband Queens of the Stone Age vorsteht. Während der letzten zwei Jahrzehnte veröffentlichte Homme in der Nachfolge seiner aus dem kalifornischen Rentneridyll Palm Springs stammenden Stoner-Rockband Kyuss mitunter beinahe leichtfüßige, poppige Deutungen abgelebter Rockmuster. Alben wie "Rated R" und "Songs for the Deaf" seien hier erwähnt.

Als zünftig auf die Felle dreschender Drummer bei Eagles of Death Metal wird dagegen streng nach Plan exekutierter Boogie-, Glam-, Glitter- und Partyrock beschworen, wie man ihn seit Jahrzehnten von Vorgängerbands und Vorbildern wie Marc Bolan und T. Rex kennt. Dazu gesellen sich fistelnde Männerchöre, Ausdrucksgitarren und wuchtige Vierviertelbeats.

In Paris war der mitunter tour- und drogenmüde Josh Homme nicht dabei. Ein Lehrbub spielte statt ihm.

Die Vorband beim Paris-Konzert nennt sich White Miles und kommt aus Österreich. Das Tiroler Mann-Frau-Duo besteht schon mehrere Jahre, ist in seiner Heimat allerdings wenig bekannt. Man tourt mit schwerem Bluesrock im Stil der US-Vorbilder The White Stripes allerdings im Rahmen der heurigen Veröffentlichung des Debütalbums "job: genius, diagnose: madness" durch renommierte Clubs in ganz Europa. (schach, 16.11.2015)

  • Die Stoner-Rockband Eagles of Death Metal bei ihrem Konzert im Bataclan, kurz bevor die Terroristen das Feuer eröffneten.
    foto: apa/afp/marion ruszniewski

    Die Stoner-Rockband Eagles of Death Metal bei ihrem Konzert im Bataclan, kurz bevor die Terroristen das Feuer eröffneten.

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