Warum manche Kampfläufer-Männchen auf aggressive Balz verzichten

21. November 2015, 17:58
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Einige Männchen der Schnepfenvogelart tanzen mit ihren Paarungsstrategien aus der Reihe der dominant-aggressiven Mehrheit – und kommen dennoch zum Zug

Graz/Wien – In der Brutzeit machen der Kampfläufer (Philomachus pugnax) seinem Namen alle Ehre: Die Männchen dieser Art aus der Familie der Schnepfenvögel werben in Balz-Arenen um die Gunst der Weibchen – und zeigen sich dabei gegenüber Rivalen sehr aggressiv. Doch nicht nur die aggressiven Werber kommen zum Zug, wie ein Forscherteam unter Beteiligung der Universität Graz in "Nature Genetics" berichtet: Einige Tiere haben auch mit anderen Paarungsstrategien Erfolg.

Kampfläufer sind auf Seggenwiesen und feuchter Tundra zuhause. In Mitteleuropa leben sie hauptsächlich an Küsten und bevorzugen dort Flächen, die Tümpel und Gräben bieten. Kommt in der Balzzeit einem Männchen mit seinem imponierenden Prachtkleid mit großer bunter Federhaube und dunklem Kragen ein Rivale nahe, wird gestoßen und heftig gekämpft.

Alternative Strategien

Dabei wird der lange spitze Schnabel wie ein Florett eingesetzt. "Der Großteil, aber nicht alle Kampfläufer sind so angriffslustig. Rund 15 Prozent verfolgen eine andere Paarungsstrategie", sagt Evolutionsbiologe Clemens Küpper von der Uni Graz. Im Gegensatz zum angriffslustigen Kämpfer-Typ werben zwei andere männliche Kampfläufer-Typen, die zahlenmäßig unterlegenen, sogenannten Satelliten- und Faeder-Männchen ganz ohne Aggression, so Küpper. Die genetischen Hintergründe dieser Paarungsvielfalt hat er nun gemeinsam mit Kollegen aus England, Schottland und Kanada untersucht.

Die Satelliten-Männchen zeichnen sich durch ein auffallend helles Federkleid und geringe Größe aus. Sie verteidigen kein Revier, sondern halten sich in der Nähe der Revierinhaber auf und kommen ab und zu mit einer Paarung zum Zug. Vor wenigen Jahren wurde man auf einen dritten Typus aufmerksam, sagt Küpper.

Diese nur etwa ein Prozent der Männchen ausmachende Gruppe der "Faeder" ist optisch leicht mit Weibchen verwechselbar. Vor allem aber sind sie überhaupt nicht aggressiv. "Eigentlich sehen sie wie Super-Weibchen aus und werden von anderen Männchen oft auch für solche gehalten", so der Grazer Biologe. Das sorge für Verwirrung, die sie offenbar ausnutzen können, um ein Weibchen zu begatten.

Genetische Ursachen

Das internationale Forscherteam nahm nun die genetischen Unterschiede zwischen den drei Typen in den Blick. "Es hat sich herausgestellt, dass eine Inversion, dass ist eine Umstrukturierung eines Chromosomenabschnittes um 180 Grad, dafür verantwortlich ist", sagt Küpper.

Diese Mutation liege sowohl bei den Faedern wie auch bei den Satelliten vor, wobei bei den letzteren noch eine weitere Mutation hinzukommt. "Wir haben in unseren Analysen gesehen, dass zumindest fünf Gene ganz klar in den Steroidstoffwechsel eingreifen", erläuterte der Zoologe. So seien die Testosteronlevel im Vergleich zu den aggressiveren Männchen stark vermindert.

Allerdings scheinen andere Qualitäten dieses Manko zu kompensieren. Was aber die friedvollen Männchen bei den Weibchen letztlich erfolgreich macht, haben die Forscher noch nicht herausgefunden. (APA, red, 21.11.2015)

  • Nicht alle Kampfläufer-Männchen werben in aggressiven Wettkämpfen um die Weibchen. (Im Bild: Männchen vom Satelliten-Typus)
    foto: jari peltomäki

    Nicht alle Kampfläufer-Männchen werben in aggressiven Wettkämpfen um die Weibchen. (Im Bild: Männchen vom Satelliten-Typus)

  • Um sich mit einem Weibchen (Bildvordergrund) paaren zu können, gibt es unterschiedliche Strategien.
    foto: clemens küpper

    Um sich mit einem Weibchen (Bildvordergrund) paaren zu können, gibt es unterschiedliche Strategien.

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