Deutsche Navi-Firma United sprach Preise ab: 100.000 Euro Strafe

16. November 2015, 13:31
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Manager schritten bei niedrigen Internetverkaufspreisen ein, teils wurden sie von Händlern dazu aufgefordert

Der deutsche Navigationsgerätehersteller United Navigation ist in Österreich wegen Preisabsprachen mit österreichischen Händlern zu einer Geldbuße von 100.000 Euro verdonnert worden. Der entsprechende Entscheid des Kartellgerichts ist rechtskräftig, teilte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Montag auf ihrer Homepage mit.

Großteils betrafen die vertikalen Preisabsprachen den Online-Handel, geht aus der Gerichtsentscheidung hervor. Von Jänner 2010 bis Mai 2014 haben die United Navigation GmbH aus Ostfildern nahe Stuttgart und verschiedene Händler demnach ihre Wiederverkaufspreise abgestimmt. Im Mai 2014 gab es eine Razzia bei United.

"Nicht aus Eigeninitiative"

In zahlreichen Fällen seien die Key-Account-Manager von United Navigation "nicht aus Eigeninitiative aktiv geworden, sondern von Händlern zum Einschreiten aufgefordert worden", die sich durch die "aggressive" Preispolitik ihrer Online-Konkurrenten bedroht geführt haben.

Für das Kartellgericht steht fest, dass United-Vertriebsmitarbeiter "ein großes Risiko in den sinkenden Verkaufspreisen" gesehen hätten, "wobei ihre Hauptsorge die niedrigen Internetpreise waren." Wiederholt hätten die United-Vertriebsmitarbeiter Ideen und Strategien ausgetauscht, wie man künftig die gewünschten Wiederverkaufspreise unter den Händlern sicherstellen könnte. "In zahlreichen Fällen machten sich die Vertriebsmitarbeiter gegenseitig auf niedrige Wiederverkaufspreise ihrer jeweiligen Kunden aufmerksam und forderten sich gegenseitig auf, die jeweiligen Kunden 'einzufangen'", heißt es in der Gerichtsentscheidung.

"Falk" und "Becker"

Die Key-Account-Manager des deutschen Unternehmens hätten die Online-Preise überwacht. Wurden die United-Geräte besonders billig angeboten, kontaktierten die Manager die Händler und drängten sie, die Verkaufspreise anzuheben, so das Gericht.

Zusätzlich hat das deutsche Unternehmen österreichischen Händlern laut Gericht den Vertrieb seiner Produkte – tragbare Auto- und Radfahrer-Navigationsgeräte der Marken "Falk" und "Becker" – von Österreich nach Deutschland untersagt. Für das Oberlandesgericht (OLG) Wien, das in dem Fall als Kartellgericht fungierte, war das ebenfalls eine "verbotene bezweckte Wettbewerbsbeschränkung".

Verstärkt wurden die vertikalen Preisabsprachen nach Ansicht des Gerichts dadurch, "dass diese von der Antragsgegnerin (United) auf horizontaler Händlerebene koordiniert wurden, sodass ein bezwecktes, verschiedene Richtungen berührendes Hardcore-Kartell vorliegt." (APA, 16.11. 2015)

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