Berufungsprozess gegen Brustimplantatehersteller PIP hat begonnen

16. November 2015, 13:15
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Firmengründer, vier Exmanager und zahlreiche Opfer erschienen erneut vor Gericht in Frankreich

Aix-en-Provence – Vor einem Gericht in der französischen Stadt Aix-en-Provence hat der Berufungsprozess gegen den Chef des Brustimplantatherstellers Poly Implant Prothese (PIP) begonnen. Zum Auftakt erschienen neben Jean-Claude Mas und vier angeklagten früheren Managern auch zahlreiche Opfer, wie französische Medien am Montag berichteten.

Die inzwischen zwangsliquidierte französische Firma hatte jahrelang weltweit Implantate aus billigem Industriesilikon verkauft. Der heute 76-jährige Gründer von PIP wurde im Dezember 2013 in erster Instanz wegen Betrugs und Verbrauchertäuschung zu vier Jahren Haft verurteilt. Mas ging in Berufung und befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.

Schätzungen zufolge wurden hunderttausenden Frauen die Silikonkissen von PIP eingesetzt. Allein in Frankreich ließen sich bis März 2015 mehr als 18.000 Frauen die PIP-Implantate entfernen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien vertritt die Interessen von in etwa 70 Frauen aus Österreich. Am Ende des wieder aufgenommenen Strafverfahrens könnten Entschädigungszahlungen aus einem Sozialfonds stehen, außerdem sei den Betroffenen die rechtskräftige Verurteilung der Beschuldigten ein Anliegen, sagte Peter Kolba, Leiter des Bereichs Recht im VKI, am Montag der APA. Weiters geht es nach drei verlorenen Musterprozessen gegen die französische Allianz Versicherung, die sich nur für in Frankreich lebende Opfer zuständig fühlt, in die Berufung. Als dritte Schiene verfolgt der VKI eine Sammelklage gegen den TÜV Rheinland in Frankreich, der sich die österreichischen Betroffenen angeschlossen haben. (APA/dpa, 16.11.2015)

Chronologie des Falles:

März 2010: Die zuständige Behörde in Frankreich nimmt die Brustimplantate wegen der hohen Reißanfälligkeit vom Markt. PIP meldet Konkurs an.

April bis Juli 2010: Frankreichs Justiz ermittelt wegen Betrugs und Gesundheitsgefährdung. Erste Zivilklagen gehen ein.

November 2010: Eine Opfervereinigung erstattet Anzeige gegen den TÜV Rheinland, der die PIP-Implantate zertifiziert hatte.

Dezember 2011: Nach dem Tod einer Frau mit PIP-Implantaten werden Vorermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung eingeleitet. Die Behörden empfehlen 30.000 französischen Frauen die Entfernung der Implantate.

Jänner 2012: Gegen den PIP-Gründer wird ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

November 2013: In einem Zivilverfahren um 53 Millionen Euro Schadenersatz gegen den TÜV Rheinland stellt ein Gericht in Toulon fest, die Prüforganisation habe seine "Pflicht zur Kontrolle" verletzt und müsse Importeure sowie Opfer entschädigen.

Dezember 2013: Der PIP-Gründer wird in Marseille zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt.

Juli 2015: Ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence hebt das Urteil gegen den TÜV im Verfahren in Toulon auf. Das Unternehmen habe seine Verpflichtungen bei der Zertifizierung der PIP-Produkte erfüllt.

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