Leberzirrhose: Schleichender Krankheitsverlauf mit diffuser Symptomatik

16. November 2015, 11:04
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Eine Probiotika-Mischung verbessert die Beschwerden bei Leberzirrhose deutlich – dies zeigt eine Studie der Med-Uni Graz

Bei der Leberzirrhose (Schrumpfleber) handelt es sich um eine Vernarbung des Lebergewebes, die zu einem Blutstau und vermehrter Krampfader-Bildung in dem lebenswichtigen Organ führt. Einmal voll ausgeprägt, ist sie nicht mehr heilbar und kann nur noch symptomatisch behandelt werden.

Zu den zentralen Symptomen zählen Leistungsminderung, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, wobei die Beschwerden meist erst in einem späten Stadium bewusst wahrgenommen werden. Typischerweise entwickelt sich die irreversible Leberzirrhose über mehrere Jahre und Jahrzehnte. In 60 Prozent der Fälle liegt Alkoholmissbrauch zugrunde, doch auch chronische Entzündungen (etwa Hepatitis B und C) oder Medikamentenmissbrauch können die Ursache sein.

Studie mit Mikroorganismen

Ein Forscher-Team der Med-Uni Graz hat nun entdeckt, dass eine Mischung aus verschiedenen Probiotika therapeutisch wirksam ist. "In einer placebokontrollierten Studie verbesserte sich die Leberfunktion derjenigen, die das Multispezies-Probiotikum einnahmen, wesentlich", sagt Hepatologin Vanessa Stadlbauer-Köllner.

Insgesamt wurden 101 Patienten mit Leberzirrhose, welche an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie in Behandlung stehen, in die Studie eingeschlossen. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurde entweder zwei Mal täglich das Probiotikum (eine Mischung der Organismen Bifidobacteria bifidum & lactis, Lactobacili acidophilus, brevis, casei & sali-varius und Lactococcus lactis sp) oder ein Placebo verabreicht. Danach wurden die Patienten für weitere sechs Monate beobachtet.

Verbesserung der Leberfunktion

Neben der Leberfunktion wurden in der Studie auch die Immunabwehr, die Darmbarriere und die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms untersucht. Die Verträglichkeit des Probiotikums war ausgezeichnet – interessanterweise haben in der Probiotikagruppe alle bis auf einen Patienten bis zum Schluss an der Studie teilgenommen, während in der Placebogruppe elf Patienten die Studie nicht bis zum Ende durchführten. "Dieser Umstand könnte ebenfalls auf eine Besserung des subjektiven Befindens durch das Probiotikum hinweisen, betont Stadlbauer-Köllner.

Die Forscher der Med-Uni Graz suchen nun nach dem Mechanismus, der diese erfreuliche Besserung der Leberfunktion bewirkt. "Möglicherweise beeinflusst das Probiotikum die Zusammensetzung der Darmbakterien positiv oder verbessert die zu hohe Durchlässigkeit des Darms", so Stadlbauer-Köllner. Das könnte in weiterer Folge auch positive Auswirkungen auf das gesamte Immunsystem haben. (red, 16.11.2015)

  • Leberzirrhose könnte künftig besser behandelt werden.
    foto: wikipedia/nephron/(CC-Lizenz)

    Leberzirrhose könnte künftig besser behandelt werden.

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