Audi R8: Das Zittern im Vorhof der Hölle

18. November 2015, 15:27
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Audi bringt die zweite Generation des R8 mit einem bis zu 610 PS starken V10. Er beschleunigt den R8 in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, verfügt über Zylinderabschaltung und einen Segelmodus. Noch besser aber, als sparsam zu sein, kann er uns zittern lassen

Boxengassen werden von Menschen, die nie auf einer Rennstrecke unterwegs sind, oft völlig falsch eingeordnet. Die Boxengasse ist nämlich nicht die Straße, auf der man nur umazuckeln darf, um keinen herumstreunenden Mechaniker niederzuführen und wo einem in zwei Sekunden alle vier Reifen auf einmal getauscht werden.

Die Boxengasse ist viel mehr der Vorhof zur Hölle. Und damit dieser Umstand auch richtig deutlich wird, liegen die Boxengassen recht gern direkt neben der Start-Ziel-Geraden. Wie in Spielberg. Die Zielgerade ist nämlich der Hauptplatz der Hölle. Alle sehen hin, jeder glaubt, du bist langsam und bremst viel zu früh die erste Kurve an – und du selbst denkst dir nur: "Mamaaaaa!"

Jetzt nur keine Anfängerfehler

Im Vorhof der Hölle darfst du noch ein wenig zittern, bevor du rausmusst in die Welt der g-Kräfte. Es ist eine Mischung aus Freude und Respekt, die einen kurz zögern lässt, bevor man den roten Knopf am Lenkrad drückt. Aber dann fällt dir ein, dass du jetzt auf der sicheren Seite bist. 60 km/h in der Boxengasse, das dareitest du auch im Audi R8 V10 plus, ohne dich groß zu blamieren. Nur den Anfängerfehler darfst du nicht machen, zu schnell durch die Boxengasse fahren. Dann weiß sofort jeder, wie voll deine Hosen sind. Also bleib kuhl. 50 km/h maximal. Und wenn du vorn auf die Rennstrecke einbiegst, sieht dich niemand mehr, bis du wieder auf der Start-Ziel-Gerade auftauchst. Also drückst du auf den Startknopf. Im selben Moment bricht ein V10-Inferno los, das dich komplett aufs Zittern vergessen lässt.

Glücklich ist, wer beim Rausrollen auf die Rennstrecke noch daran denkt, den Drive-Select-Schalter zu nutzen. Vier Modi bietet Audi im R8 an, comfort, auto, dynamic und individual. Bei unserem V10 plus kann man auch noch den Performance-Modus zwischen wet, dry und snow auswählen. Letzteres greift in die elektronische Stabilisierungskontrolle ein, Ersteres regelt Dämpfer, Gaspedalkennfeld, Lenkung, die Abgasklappen und das Doppelkupplungsgetriebe, die 7-Gang s tronic.

Mehr ist mehr

Das plus beim V10 steht übrigens nicht nur für den Performance-Modus, sondern auch für weitere 70 PS. 610 PS gehen im Audi R8 V10 plus Coupé an den Start. Die saugt sich der Motor aus 5,2 Liter Hubraum. Erst bei 8700 Umdrehungen klopft der Begrenzer mahnend an. Bis dahin schreit der V-Motor aus allen zehn Zylindern, dass man sich selbst beim Anbremsen nicht mehr vor lauter Angst quietschen hört.

Außer natürlich, man gondelt extrem unauffällig auf der Straße im Comfort-Modus herum.

Dann zeigt sich der R8 von seiner sparsamen Seite, schaltet die Zylinder über 55 km/h im Schubbetrieb ab, hat nicht nur eine Start-Stopp-Automatik, sondern segelt auch mit ausgekuppelten Motor, wenn es die Situation erlaubt, um Sprit zu sparen.

Fluten der Brennräume

Auf der Rundstrecke in Spielberg hat das Cylinder-on-Demand-System aber Pause. Jetzt fluten wir die Brennräume mit Benzin. Wer ein solches Auto fährt, wird sich um die Spritkosten eines Rundstreckenausflugs keine Gedanken machen. Bei einem Kaufpreis von 241.500 Euro geht es da wohl eher darum, den Audi R8 V10 plus (oder den R8 V10, Kostenpunkt: 218.850 Euro) wieder heil in den Vorhof der Hölle zu bringen.

Und das ist keine leichte Aufgabe, wenn auf einmal eine Ducati Panigale im Rückspiegel immer größer wird und mit 205 PS bei einem Gewicht von nicht einmal 170 Kilogramm dem schnellsten Audi der Welt die Linie zeigen will. Wenn du es jetzt noch gut in die Box schaffst und dabei sogar die Duc hinter dir hältst: Freu dich aufs Zittern beim Aussteigen. (Guido Gluschitsch, 18.11.2015)

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Audi

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Große Designeskapaden erlaubt sich Audi beim neuen R8 nicht.
    foto: audi

    Große Designeskapaden erlaubt sich Audi beim neuen R8 nicht.

  • Auch am Heck erkennt man den R8 sofort.
    foto: audi

    Auch am Heck erkennt man den R8 sofort.

  • Und eine gewisse Ähnlichkeit zum Lamborghini Huracán kommt auch nicht von ungefähr, sind die beiden doch sehr eng miteinander verwandt.
    foto: audi

    Und eine gewisse Ähnlichkeit zum Lamborghini Huracán kommt auch nicht von ungefähr, sind die beiden doch sehr eng miteinander verwandt.

  • Der Audi R8 hat einen 5,2-Liter-V10-Sauger mit 540 oder 610 PS ...
    foto: audi

    Der Audi R8 hat einen 5,2-Liter-V10-Sauger mit 540 oder 610 PS ...

  • eine böse Freud' mit der Ducati Panigale.
    foto: audi

    eine böse Freud' mit der Ducati Panigale.

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