Die Spuren des Terrors führen oft nach Molenbeek

16. November 2015, 10:39
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Ein Attentäter wohnte in dem Brüsseler Problembezirk, auch der potenzielle Drahtzieher soll von dort stammen

Und schon wieder Molenbeek: Der TV-Sender RTL meldet ohne Angabe von Quellen, dass ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge identifiziert wurde. Auch Abdelhamid A. stammt aus dem Brüsseler Bezirk Molenbeek und gilt als einer der grausamsten IS-Terroristen in Syrien. Er wurde von der belgischen Polizei bereits nach der Schießerei mit zwei Toten in Verviers im Jänner gesucht.

Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von A. gewesen, berichtete die belgische Tageszeitung "De Standaard" am Montag unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste.

Molenbeek war gleich nach den Anschlägen im Fokus der Ermittler. Nur 18 Stunden nach den Attentaten in Paris stürmten Antiterroreinheiten der belgischen Polizei am Samstag mehrere Wohnungen in dem ans Zentrum angrenzenden Stadtbezirk von Brüssel. Insgesamt sieben Männer wurden verhaftet, die in Verdacht stehen, mit dem Terror in der 300 Kilometer entfernten französischen Hauptstadt direkt in Verbindung zu stehen.

Am Sonntag bestätigte die Bürgermeisterin des Bezirks, dass man ein Netzwerk von Islamisten ausgehoben habe, drei Brüder sollen dort aktiv gewesen sein. Mutmaßlich zwei Attentäter mit französischer Staatsbürgerschaft hätten zuletzt in Brüssel gewohnt, einer in Molenbeek. Auf ihre Spur waren die Behörden durch zwei in Brüssel angemietete Autos gekommen, die in Paris bei Anschlägen auf Cafés und das Bataclan-Theater verwendet wurden.

Wenig überraschend

Dass der Terror wieder in Molenbeek zu Hause war, konnte die belgischen Behörden wenig überraschen. In dem Problembezirk mit 90.000 Einwohnern, wo viele Nordafrikaner zweiter und dritter Einwanderergeneration leben, rekrutieren Salafisten seit Jahren, regelmäßig gibt es Razzien. Mit dem jüngsten Anschlag bestätigte sich, dass Attentäter hier Unterschlupf fanden – wie bei mehreren Terrorakten seit einem Jahrzehnt.

2004 sprengten etwa Islamisten einen Zug im Madrider Bahnhof Atocha, zwei Mittäter wurden in Molenbeek verhaftet. Im Jänner 2015 wurde eine Terrorzelle im ostbelgischen Verviers ausgehoben, bei einer Schießerei starben zwei Islamisten. Die Spuren der Gruppe führten nach Molenbeek. Auch das gescheiterte Attentat auf den Schnellzug Thalys von Brüssel nach Paris im Sommer begann dort: Der Täter hatte bei seiner Schwester in Molenbeek gewohnt. (red, 16.11.2015)

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