Frankreich bombardiert IS in Syrien – Razzien in mehreren französischen Städten

16. November 2015, 06:44
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Suche nach Verdächtigem – Hollande will Ausnahmezustand für drei Monate – Irakischer Geheimdienst soll vor Anschlägen gewarnt haben

Frankreich hat am Sonntag auf die Terroranschläge von Paris mit Luftangriffen auf IS-Terroristen geantwortet. In der IS-Hauptstadt Raqqa wurden mit zehn Flugzeugen mindestens zwanzig Bomben auf verschiedene Ziele abgeworfen.

In der Nacht auf Montag gab es französischen Medien zufolge mehrere Anti-Terror-Einsätze der Polizei. Offenbar wurden in Paris, Grenoble, Toulouse und Calai Razzien durchgeführt. Es gibt Berichte über drei Festnahmen. Einen direkten Zusammenhang mit den Anschlägen vom Wochenende dürfte es nicht geben. Es handle sich um eine breiten Anti-Terror-Einsatz, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP.

Weltweites Gedenken

Am Sonntag gedachten weltweit zahllose Menschen der Terroropfer. Bei der Anschlagsserie an sechs verschiedenen Orten in Paris am Freitag Abend wurden insgesamt mindestens 129 Menschen getötet. Die Ermittlungen laufen. Ein Auto der Attentäter, ein schwarzer Seat, wurde östlich der französischen Hauptstadt gefunden. Nach Einschätzung der Ermittler bedeute dies, dass einem der drei Terrorkommandos die Flucht gelungen sein könnte. Ein weiteres Auto, ein schwarzer Polo, war nach den Anschlägen beim Bataclan gefunden worden. Der Wagen hatte ein belgisches Nummernschild.

Französische und belgische Behörden haben bestätigt, dass drei der sieben Selbstmordattentäter französische Staatsbürger gewesen sind. Außerdem waren drei Brüder am Anschlag beteiligt, wobei einer noch auf der Flucht sein soll. Belgische Behörden hatten einen anderen der drei Brüder zuvor festgenommen, er soll eines der Fluchtfahrzeuge bereitgestellt haben. Insgesamt wurden in Belgien sieben Verdächtige verhaftet. Ein weiterer Verdächtiger wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

Attentäter wollte ins Stadion

Frankreichs Staatssekretär für Sport, Thierry Braillard, bestätigte indes, dass mindestens einer der Attentäter während des Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland ins Stade de France eindringen wollte.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass der irakische Geheimdienst am Tag vor den Anschlägen in Paris eine Warnung vor direkt bevorstehenden Angriffen durch IS-Terroristen gemeldet hat.

Der französische Staatspräsident Francois Hollande will den Ausnahmezustand auf drei Monate ausdehnen. Die EU-Innen- und Justizminister werden am kommenden Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Härteres Vorgehen gegen Imame

Die französische Regierung plant ein härteres Vorgehen gegen radikale Imame. Im Kabinett solle über die Schließung von Moscheen beraten werden, "in denen Hass verbreitet wird", kündigte Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntag im TV-Sender "France 2" an.

Der Ausnahmezustand erlaube es, mit Entschlossenheit die Ausweisung von denjenigen voranzutreiben, "die in Frankreich Hass predigen, die unter Terrorverdacht stehen oder an Terrorakten beteiligt waren", fügte er hinzu.

Unter den Todesopfern der Anschläge sind auch mehrere ausländische Staatsbürger. Der Österreicher, der eine Schusswunde erlitt, ist mittlerweile außer Lebensgefahr. (red, 15.11.2015)

  • Die Cheops-Pyramide in Ägypten wurde mit den Farben der französischen, libanesischen und russischen Flaggen bestrahlt, um der Opfer der jüngsten Terroranschläge zu gedenken.
    foto: afp/dewsouki

    Die Cheops-Pyramide in Ägypten wurde mit den Farben der französischen, libanesischen und russischen Flaggen bestrahlt, um der Opfer der jüngsten Terroranschläge zu gedenken.

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