François Molins: Chefankläger und Gesicht der Staatsmacht

Kopf des Tages16. November 2015, 05:30
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Bei dem 62-Jährigen laufen nach den Pariser Anschlägen die Fäden der Ermittlungen zusammen

Die Nachricht von den Pariser Terroranschlägen war Freitagabend auch für François Molins ein Schock. Wirklich überrascht dürfte der Pariser Staatsanwalt jedoch nicht gewesen sein. Immer wieder hatte er in den letzten Monaten vor der akuten Terrorgefahr für Frankreich gewarnt.

Erst im Mai, vier Monate nach den Angriffen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris, erklärte Molins in einem Interview für die Zeitung Le Figaro, es gebe "keinen Grund, optimistisch zu sein". Die Signale, die der "Low-Cost-Terrorismus" mit seinen unklaren Organisationsformen im Vorfeld von Anschlägen aussende, seien so schwach, dass auch Geheimdienste sie kaum aufspüren könnten.

Bei allem Pessimismus war es François Molins stets wichtig zu zeigen, dass der Staat im Kampf gegen den Terror nicht zu resignieren gedenkt. Öffentlich wies er auf Bemühungen der Sicherheitskräfte hin, terrorverdächtige Personen im Auge zu behalten. Auch auf grenzüberschreitende Kooperation legt der 62-Jährige Wert. Erst im Juni verlieh ihm der spanische Justizminister Rafael Catalá Polo eine hohe Auszeichnung für die Zusammenarbeit bei der Terrorprävention.

Vom Ministerium in die Staatsanwaltschaft

Als François Molins 2011 zum öffentlichen Chefankläger bestellt wurde, hielt sich die Begeisterung unter Juristen in Grenzen. Molins war zuvor unter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy Kabinettschef im Justizministerium. Den direkten Sprung in die Staatsanwaltschaft bezeichneten manche als "ungesund".

Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National, war überzeugt, seine Ernennung diene dazu, Druck auf Ermittlungen auszuüben, die "die Macht" betreffen. Der damalige Justizminister Michel Mercier nahm Molins als exzellenten Juristen mit ebensolchen Fähigkeiten bei der Teamführung in Schutz. "Ist er in seinem Beruf gut oder schlecht? Das ist alles, was zählt", verteidigte er die Personalentscheidung.

In den Tagen der nationalen Verunsicherung hängt die Antwort auf diese Frage nicht nur von Molins juristischen Fähigkeiten oder der Qualität der Kooperation mit dem Sicherheitsapparat ab. Der Chefankläger ist zum Gesicht der Staatsmacht und ihres Kampfes gegen mörderische Fanatiker geworden. Seine Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren, wird von mindestens ebenso großer Bedeutung sein wie die rasche Präsentation von Ermittlungsergebnissen. (Gerald Schubert, 15.11.2015)

  • François Molins muss einen kühlen Kopf bewahren.
    foto: apa / epa / etienne laurent

    François Molins muss einen kühlen Kopf bewahren.

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