Herz der Finsternis

Einserkastl15. November 2015, 18:49
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Das Gefühl der Lähmung und Hilflosigkeit ist nicht ungewöhnlich, sollte jedoch nicht der Endzustand sein

Das sinnlose und kaltblütige Morden entsetzt jeden Menschen, der halbwegs bei Verstand ist, zutiefst. Dieses Entsetzen bahnt sich viele Wege: Einer davon ist die bewusste Hinwendung zur Solidarität mit den Flüchtenden, die genau solchen Schrecknissen entkommen wollen. Ein anderer ist jener der steigenden Aggression auf diese Flüchtenden. Schließlich könnten sich Terroristen in der unübersichtlichen Menge befinden.

Terroristen könnten sich allerdings auch in der Menge der Touristen oder der Studenten befinden. Keiner ruft nach dem Stopp für Touristeneinreisen oder jenen der Studenten. Es wäre auch absurd. Europa beginnt sich so schneller zu verändern, als man es befürchtet hätte: Einiges spricht dafür, dass der 13. 11. der 11. 9. Europas werden könnte. Frankreich schließt seine Grenzen. Die Bilder aus Paris lassen Erinnerungen an Kriegshandlungen in Europa hochkommen, an Beslan und an das Theater Nord-Ost. Den Bildern folgt das Gefühl der Hilflosigkeit und der Lähmung.

Das ist nicht ungewöhnlich, aber es wäre gut, wenn das nicht der Endzustand bleibt. Es ist leider vollkommen normal, ein solches Entsetzen angesichts der Verbrechen und der Wunden, die Frankreich geschlagen worden sind, zu empfinden, und es ist schwer, etwas anderes zu empfinden als dieses bis ins Mark und Bein kriechende Entsetzen. Aber dieses Entsetzen ist das, was uns auseinanderdividieren soll. (Julya Rabinowich, 15.11.2015)

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    foto: apa/epa/julien warnand
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