"Miteinander, nicht nebeneinander regieren"

Interview15. November 2015, 18:27
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Joachim Kovacs, der am Samstag Georg Prack als Landessprecher abgelöst hat, will den grünen Fokus mehr auf die Außenbezirke legen

STANDARD: Sie schrieben jüngst in einem Gastkommentar für den STANDARD, dass die Grünen als "lieb und nett, ein wenig naiv und abgehoben" wahrgenommen würden. Wie wollen Sie das ändern?

Kovacs: Ich will, dass wir zielgerichteter kommunizieren. Wir müssen uns auf die Lebensrealitäten der Menschen konzentrieren. Der Arbeiter in Simmering hat andere Prioritäten als die selbstständige Unternehmerin in Neubau. Da müssen wir breiter werden. Wir müssen auch die Zukunftsfragen der Bewohner im Gemeindebau beantworten.

STANDARD: Im Frühjahr, als die SPÖ eine Wahlrechtsreform verhinderte, forderten Sie ein Ende der rot-grünen Koalition. Warum sind Sie jetzt für eine Fortsetzung?

Kovacs: Das war ein demokratiepolitischer Bauchfleck. Der Streit hat beiden massiv geschadet. Das darf nicht mehr vorkommen. Wir müssen miteinander und nicht nebeneinander regieren – auch in den Bezirken. Da sehe ich enormes Verbesserungspotenzial.

STANDARD: Sie fordern mutige Grüne mit Ecken und Kanten. Was macht diese aus?

Kovacs: Dass wir mehr darauf vertrauen, was wir auf der Straße hören – und nicht auf Marktforschungen. Man muss mit Bürgern ins Gespräch kommen und heiße Kartoffeln ansprechen. Wir müssen unseren Fokus verstärkt auf die Außenbezirke legen und diese unterstützen. Dort gibt es sehr viele Einwohner und teils nur drei Grüne in Bezirksvertretungen. (David Krutzler, 16.11.2015)

Joachim Kovacs (31) ist seit 2010 Klubchef der Grünen in Ottakring und seit Samstag Landessprecher. Er leitet eine Tennisakademie.

  • Für Joachim Kovacs war der rot-grüne Streit ums Wahlrecht ein "demokratiepolitischer Bauchfleck. Der Streit hat beiden massiv geschadet. Das darf nicht mehr vorkommen."
    foto: apa/grüne/martin juen

    Für Joachim Kovacs war der rot-grüne Streit ums Wahlrecht ein "demokratiepolitischer Bauchfleck. Der Streit hat beiden massiv geschadet. Das darf nicht mehr vorkommen."

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