Es geht körperlich zur Sache im Berliner "Tatort": Top oder Flop?

Ansichtssache15. November 2015, 19:30
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Abrissarbeiten fördern ein säuregefülltes Fass mit menschlichen Überresten zutage – Wie hat Ihnen diese Folge gefallen?

orf/ard/volker roloff

Wien – Zum Inhalt: Im neuen Fall fördern Abrissarbeiten in einer Berliner Laubenkolonie ein säuregefülltes Fass zutage. Als Bauarbeiter darin menschliche Überreste erkennen, beginnen Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) zu ermitteln. Wer ist der Tote?

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STANDARD-Journalistin Birgit Baumann schreibt in ihrem TV-Tagebuch: "Die Tätersuche ist ziemlich unspannend, dafür entschädigen die neuen Ermittler und ein Berlin-Bild, das recht authentisch rüberkommt. Allerdings hat Karow noch etwas anderes zu erledigen, er sucht immer noch auf eigene Faust den Mörder seines Polizistenkollegen.

Das ist ja nichts grundsätzlich Schlechtes, aber eine echte Überforderung für den Zuseher, wenn er den ersten Fall der beiden 'Das Muli' nicht gesehen oder wieder vergessen hat – immerhin liegt die Erstausstrahlung acht Monate zurück."

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Holger Gertz schreibt in der "Süddeutschen": "Spricht nicht für den Film, wenn man sich fragt, warum die Bilder so drastisch sind, Berlin ist ein Moloch, das wissen ja eigentlich schon alle. "Ätzend" ist ein Sozialdrama über Illegale in Berlin. Außerdem schwingen mit: Karows Verstrickungen in seine Vergangenheit bei der Drogenfahndung, Rubins Privatgeschichte mit ihrem Mann, dazu der Binnenkonflikt der Kommissare.

Man bräuchte seinerseits eine Pinzette oder anderes Kleininstrument, um sämtliche Fäden aus dem Handlungsgewirr freizulegen. Es herrscht im Tatort und um den Tatort herum: ein großes Stochern."

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Auf "Spiegel Online" fällt das Resümee durchwachsen aus: "Mäßig. Die Konflikte bleiben angerissen, die Psychologie bleibt im Effekt stecken. Nach Sylvester Groth als Jochen Drexler im Magdeburger "Polizeiruf" wird nun auch Waschkes Karow als zweiter Kommissar eines Sonntagskrimis als schwul geoutet. Er kriegt allerdings nur einen schnellen, melancholischen, auf einer Bar-Toilette arrangierten One-Night-Stand geschenkt. Gewagt? Naja. Dass mit dem neuen Team frischer Wind in den Berliner "Tatort" einzieht, hat sich nicht erfüllt."

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Nicht gerade euphorisch gibt sich Matthias Heine auf welt.de: "Wenn 'Ätzend' trotzdem ein mittelguter "Tatort" geworden ist, dann liegt das an den Hauptdarstellern: Becker und Waschke sind in ihrem zweiten Fall auf hohem schauspielerischem Niveau voneinander dauergenervt. Schön ist auch, dass diesmal die Wessi-Frau eine Urberlinerin ist und der Ossi ein gut angezogener bindungsloser Schwuler (gleich der erste Lover, den Karow mit ins Bett nimmt, bringt ihm viel Ärger).

Die Handlung pfeift zwar so laut wie eine riesige Domorgel auf alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit, aber sie ist gerade deshalb recht flott. Und wenn in einem Berlin-Krimi mehrfach der Satz "Sie können hier nicht parken!" gesagt wird, dann beweist das, dass dieser "Tatort" doch nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt ist, wie man dachte."

Und wie fällt Ihr Urteil aus? Top oder Flop? (red, 15.11.2015)

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