"Durchgeknallt": "Welt"-Chefredakteur verurteilt Posting von Kolumnist

15. November 2015, 15:30
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Matthias Matussek brachte den Terror in Paris mit Flüchtlingen in Verbindung

Wien/Berlin – Mit einer Äußerung zu den Terroranschlägen in Paris hat sich "Welt"-Kolumnist Matthias Matussek wenig Freunde gemacht. Matussek schrieb auf Facebook nach dem Attentat: "Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.." Versehen war das Posting mit einem Smiley. Erst nach heftiger Kritik macht er aus dem Smiley ein trauerndes Gesicht.

foto: screenshot / facebook

Wenig später schrieb er noch: "Bin gespannt, wann die Regierenden erneut eine Lichterkette aufbauen und davor warnen, den Islam zu verteufeln und den rechten Populisten hinterherzulaufen."

Matusseks Posting sorgte nicht nur in sozialen Medien für heftige Kritik, sondern auch in den eigenen Reihen. Einen Rüffel gab es etwa von "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters. Er schrieb auf Facebook: "Die zivilisierte Welt hat gerade andere Probleme als ein durchgeknalltes Posting. Aber damit das klar ist: Ich distanziere mich im Namen der 'Welt', die für andere Werte steht, für Freiheit und Menschlichkeit, Die Gedanken unserer Redaktion gehören den Opfern von Paris", schrieb Peters am Samstag und betonte, dass alles weitere "intern" geklärt werde. Es wäre nicht das erste Posting, das zu einem Verlust eines Jobs führt.

Matussek selbst postet eine "Klarstellung", wie er schrieb: "Natürlich habe ich mit dem Smiley keine "klammheimliche Freude" über die Toten der Terroristen ausgedrückt, sondern eine Art verzweifelten Sarkasmus. Ich hätte, so habe ich mich belehren lassen, den mit der Sonnenbrille wählen sollen. Aber wer mir FREUDE unterstellt, tut das in böswilliger Absicht. Wie kann man nur auf die Idee kommen! Tatsache bleibt, dass die Diskussion über offene Grenzen bereits jetzt eine neue Qualität erreicht hat, die Fragen an den Innenminister in der laufenden Presdsekonferenz (sic!) drehen sich praktisch um nichts anderes!"

Auf Distanz ging auch "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. Ebenso wie die "Welt" gehört "Bild" zu Axel Springer. Diekmann bezeichnete Matusseks Facebook-Posting in den Kommentaren als "ekelhaft". (red, 15.11.2015)

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