OnePlus X im Test: Edles Android-Handy auf rutschigen Abwegen

3. Dezember 2015, 17:16
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Smartphone überzeugt mit Design und Preis, fällt jedoch mit mangelnder Untergrundhaftung auf

Über ein Jahr lang hatten viele Fans des OnePlus One nach einer kompakteren Alternative für ihr Handy verlangt, nun – wenige Monate nach Erscheinen des offiziellen Nachfolgers – hat der Hersteller sie erhört. Das OnePlus X ist da.

Im Kern setzt OnePlus dabei auf altbewährtes, denn unter der Haube steckt zu einem guten Teil die selbe Hardware, die man schon im OnePlus One fand. Alle Regeln der Kunst hat man dafür in Sachen Design und Verarbeitung angewandt. Nicht immer zum Vorteil, wie der WebStandard im Test herausgefunden hat.

foto: derstandard.at/pichler

Fünf Zoll Diagonale bietet das Display des Gerätes, das eingebettet ist in einen Körper von 140 x 69 x 6,9 Millimeter. Mit 138 Gramm Gewicht erweist sich das OnePlus X als insgesamt schlankes Leichtgewicht. Dominiert wird das Gehäuse von Glas und Metall. Ersteres bedeckt Vorder- und Rückseite vollständig, zweiteres bildet den Rahmen. In einer teureren, limitierten Auflage wird sich auch noch eine Keramik-Edition hinzugesellen.

Glas und Metall gelten aktuell als Nonplusultra, insbesondere für Design- bzw. "Premium"-Smartphones. Der Verlangen der Kunden nach Erfüllung eben dieser Ansprüche hat selbst Samsung nachgegeben, und hat den Kunststoff seiner Galaxy S- und Note-Reihe mittlerweile durch diese beiden Materialien ersetzt.

foto: derstandard.at/pichler

Handwerklich kann man OnePlus jedenfalls keinen Vorwurf machen. In der Tat macht das "X" einen robusten Eindruck. Verarbeitungsprobleme, etwa zu große Spaltmaße, lassen sich nirgends entdecken. Ästhetik ist freilich immer eine Geschmacksfrage, subjektiv spielt das Mobiltelefon hier jedenfalls in der gleichen Liga, wie die Oberklasse von Samsung, Sony, HTC oder auch Apple. Direkte Vergleiche zum iPhone, wie ihn The Verge etwa mit dem 5s praktiziert, erscheinen trotz mancher Ähnlichkeiten etwas sehr bemüht.

Der Bildschirm selbst arbeitet mit einem AMOLED-Panel und Full-HD-Auflösung. Heißt: in Sachen Helligkeit und Kontrasten erweist sich das Display als spitze. Auch die Farben sind kräftig, in der Standardkalibrierung dem einen oder anderen User vielleicht sogar etwas zu kräftig.

foto: derstandard.at/pichler

Als Antrieb fungiert der Qualcomm Snapdragon 801 und damit der selbe Chip, der vergangenes Jahr bereits ins OnePlus One gesteckt wurde. Wie dort gibt es auch hier drei GB RAM. Der interne Speicher ist auf 16 GB festgelegt, kann aber erstmals per microSD-Karte aufgestockt werden. Allerdings nur, wenn dafür auf die Verwendung einer zweiten nanoSIM-Karte verzichtet wird, da es sich um einen Kombi-Slot handelt. Durchschnittlich dimensioniert ist der nicht ohne größeren Bastelanstrengungen austauschbare Lithium-Polymer-Akku, der es auf 2.520 mAh bringt.

Ins Netz kommt das Handy über WLAN (802.11n), 3G und LTE. Hinsichtlich der 4G-Konnektivität ist darauf zu achten, dass es drei regionale Varianten des Gerätes gibt. Und nur die Ausgabe für Asien und die EU beherrscht LTE nicht nur über 2.100 und 1.800, sondern auch über 800 MHz (Band 20). Die chinesische Variante sowie das US-Modell nicht.

Mit an Bord sind auch noch Bluetooth 4.0 sowie Radioempfang bei angeschlossenen Kopfhörern. Abgängig sind allerdings Quick Charging, Wireless Charging sowie NFC.

foto: derstandard.at/pichler

Vorinstalliert ist OnePlus eigene Android-Adaption Oxygen OS, deren Entwicklung einst nach einem längeren Disput mit Cyanogen begonnen hat. Sie liegt aktuell in Version 5.1.1 vor und präsentiert sich angenehm aufgeräumt und sehr nahe am Vanilla-Look eines unmodifizierten Systems.

Erweitert wurde es etwa um verschiedene Gesten – etwa Double-tap to wake oder das Steuern von Musik und Öffnen der Kamera über Zeichengesten auf dem abgeschalteten Display – oder die Möglichkeit, anstelle der kapazitiven Navigationstasten auf ein Onscreen-Menü zurück zu greifen. Vorinstalliert ist neben dem Standard-Keyboard auch noch die selbstlernende Swiftkey-Tastatur. Dazu gibt es einzelne OnePlus-Standardapps, etwa für Kamera und Kontaktübersicht.

Performancetechnisch schlug sich das OnePlus X in den Leistungs- bzw. 3D-Benchmarks Antutu und 3DMark (IceStorm Unlimited) wie auch andere Geräte mit dem gleichen Chipsatz. Nur im Browsertest mit Vellamo (Chrome) sackte das Handy etwas ab. In der Praxis fielen beim Internetsurfen allerdings keine Probleme auf.

foto: derstandard.at/pichler

Einstige Kinderkrankheiten scheint Oxygen OS mittlerweile abgelegt zu haben. Die Navigation durch das System funktioniert flott und ruckelfrei. Auch Apps starten schnell und selbst bei aufwändigeren Games geht das Gerät nicht in die Knie. Instabilitäten und Abstürze wurden im Laufe der Testphase von rund drei Tagen nicht registriert. Einzig nach längerer Ruhepause kann das OnePlus X direkt nach dem Aufwecken kurz ins Stottern geraten.

Die Erkenntnisse über die Akkulaufzeit sind aufgrund der eher kürzeren Testphase nur begrenzt aussagekräftig. Es scheint, als dürften selbst Poweruser mit dem Smartphone bei voller Ladung über den Arbeitstag kommen. Allerdings auch nicht viel weiter, womit Laufzeit und Akkukapazität in der erwartbaren Relation stünden. Eine Verbesserung darf man wohl mit Android 6.0 erwarten, von dessen Umsetzung man für das OnePlus X wohl ausgehen darf. Eine Ankündigung bzw. einen Termin gibt es jedoch noch nicht.

Doch zurück zu den Äußerlichkeiten des OnePlus X. Die Tastenanordnung ist unoriginell gehalten. Auf der rechten Seite befinden sich Lautstärkewippe und An/Aus-Schalter, die gut erreichbar und ertastbar sind und wenig Spiel bieten. Auf der linken Seite, etwas höher platziert, liegt ein Schiebeschalter. Er dient dazu, schnell zwischen Benachrichtigungsprofilen – alle Benachrichtigungen, nur Benachrichtigungen von wichtigen Person oder gar keine Benachrichtigungen – zu wechseln.

foto: derstandard.at/pichler

Was sinnvoll erscheint, etwa für bequemes sichern der Nachtruhe, erscheint allerdings auch anfällig für Unfälle. In engen Taschen ist es nicht undenkbar, dass man den Schalter unabsichtlich verschiebt und dann vielleicht einen wichtigen Anruf verpasst. Während des Tests ist dies aber zumindest nicht vorgekommen.

Die Lautsprecher und der microUSB 2.0-Port liegen auf der Unterseite. Die Klangerzeuger liefern eine Audioausgabe, die bis zu einem mittelmäßigen Lautstärkeniveau noch ganz anhörbar ist, bei der recht hohen Maximallautstärke allerdings merkbar verzerrt klingt. Ganz ordentlich sind hingegen die Ausgabe von Sound via Kopfhörer sowie die Sprachqualität beim Telefonieren.

foto: derstandard.at/pichler

Durch zwei vorerst unerklärliche Stürze unbeabsichtigt aufgefallen ist ein Problem, das die Rückseite des OnePlus X betrifft. Diese ist ausgesprochen glatt, haftet aber gut genug an menschlicher Haut, um beim Halten des Gerätes keine Probleme zu verursachen.

Nicht jedoch, wenn das Handy auf einer wenig strukturierten Tischoberfläche liegt, die nicht völlig eben ist. Dann beginnt das Gerät, einmal abgelegt, eine langsame, aber stetige Reise entlang der "Hanglage". Diese beschleunigt sich durch Vibrationen, etwa bei Benachrichtigungen oder wenn man gerade Musik wiedergibt. Dementsprechend sei bei der Ablage Vorsicht angeraten – oder man greift zum beigelegten Case aus transparentem Kunsstoff als zusätzlichen Schutz.

foto: derstandard.at/pichler

Zu guter Letzt bleibt noch ein Blick auf die Kamera. 13 Megapixel spuckt die Hauptkamera auf, der ein LED-Blitz zur Verfügung steht. Sie löst meist flott aus, auch unter schlechteren Lichtbedingungen. Fotos geraten ansprechend, auf dem Niveau eines LG G4, Samsung Galaxy S6 oder iPhone 6 spielt sie allerdings nicht mit. Bei eintretender Dunkelheit oder unter reinem Kunstlicht kommt es zu recht schnell zu Bildrauschen.

Allgemein tendiert die Kamera (oder die Bildverbesserungsmechanismen) dazu, feine Details oft "aufzufressen", dazu geraten Fotos eine Spur zu dunkel. Die farbliche Echtheit ist unter Kunstlicht allerdings relativ gut gewahrt. Die Frontkamera bringt üppige acht MP. Die Schnappschüsse sind von sehr brauchbarer Qualität. Auch hier kommt es aber zu Detailverlusten

Die Kamera-App von OnePlus orientiert sich im Kern an der Android-Standardsoftware, bietet allerdings weniger Features. Womit sie ein typische Fall für die Frage ist, warum hier nicht gleich auf die Default-Lösung zurückgegriffen wird.

Fazit

Insgesamt ist das OnePlus X für seinen Preis von rund 270 Euro ein spannendes Gerät des unteren Highendsegments, das die Bedürfnisse der meisten Interessenten gut erfüllen sollte. Auffallend ist die hervorragende Verarbeitung, die Apple und Co in nichts nachsteht.

Die Featureausstattung könnte üppiger sein, doch wer weder NFC, noch Quickcharge oder drahtloses Aufladen vermisst, findet mit dem Smartphone in dieser Budgetklasse wohl eine der besten Alternativen. Zumindest, wenn es gelingt, einen Invite zu ergattern, denn derzeit kann das OnePlusX nur über einen solchen geordert werden. (Georg Pichler, 03.12.2015)

Kamera-Testbilder

foto: derstandard.at
Tageslicht, Nachmittag
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Tageslicht, Nachmittag
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Tageslicht
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Kunstlicht
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Frontkamera

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion von OnePlus für begrenzte Zeit zur Verfügung gestellt.

Links

OnePlus X

The Verge

Nachlese

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