TGV bei Testfahrt entgleist: Mindestens elf Tote in Frankreich

15. November 2015, 14:11
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Mehrere Kinder offenbar ohne Genehmigung an Bord – Möglicherweise zu hohes Tempo

Straßburg – Beim bisher schwersten Unglück des Hochgeschwindigkeitszugs TGV in Frankreich sind elf Menschen getötet worden. Ein verletzter Passagier sei im Krankenhaus gestorben, sagte Alexandre Chevrier von der Staatsanwaltschaft Straßburg. Die Ursache des Unfalls war auch am Montag noch unklar. Ebenso, ob bei der Testfahrt tatsächlich Kinder von Bahnmitarbeitern an Bord waren.

Es gebe eine große Zahl von Verletzten, sagte Chevrier laut der Zeitung "Dernieres Nouvelles d'Alsace". Vier Menschen befanden sich demnach in Lebensgefahr. Die Bahngesellschaft SNCF hatte zuvor zehn Tote und 37 Verletzte bestätigt. Unter den Verletzten befinden sich laut der Nachrichtenagentur AFP auch Kinder.

Der Zug war am Samstag bei einer Testfahrt auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke im Elsass entgleist, zwei Triebwagen und sechs Waggons stürzten von einer Brücke in den Rhein-Marne-Kanal. Die regionale Nachrichtenseite "France Bleu Alsace" hatte gemeldet, mindestens ein Kind sei getötet worden. Das wurde zunächst nicht offiziell bestätigt.

Erstes tödliches Unglück seit 34 Jahren

Die Behörden der Präfektur gingen von überhöhter Geschwindigkeit als Ursache aus. Der Zug soll an der Kanalbrücke nördlich von Straßburg nahe Eckwersheim mit mehr als 350 km/h unterwegs gewesen sein, berichteten Lokalmedien. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris vom Freitag wurde vorerst ausgeschlossen.

Pepy wollte die Vermutungen zunächst nicht bestätigen: "Derzeit ist der Unfall unerklärbar." Auch die genaue Zahl der Menschen im Zug wurde zunächst nicht bekannt. Nach ersten Angaben der Bahngesellschaft sollen es etwa 50 gewesen sein. "Der Unfall war ein schwerer Schock", sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy. Es sei das erste tödliche Unglück mit einem TGV, seit die Schnellzüge 1981 ihren Dienst aufnahmen.

Der Bahnchef betonte, dass sich ein solcher Unfall im Normalbetrieb nicht ereignen könne – es gebe automatische Sicherheitssysteme, die bei Testfahrten nicht aktiv seien. Die Fahrtenschreiber des TGV würden noch untersucht. Das Unglück ereignete sich auf einer neuen Strecke, die im April 2016 in Betrieb gehen sollte.

Als Folge des Unglücks könne eine Verschiebung dieses Termins nicht ausgeschlossen werden, berichtete AFP unter Berufung auf die Bahngesellschaft. Die TGV-Schnellverbindung zwischen Straßburg und Paris soll dann nur noch eine Stunde und etwa 50 Minuten dauern. Zurzeit sind es etwa zwei Stunden und 20 Minuten. (APA, 15.11.2015)


Hintergrund

Die französischen TGV (Train a Grande Vitesse, deutsch: Hochgeschwindigkeitszug) sind eine Marke der französischen Staatsbahn SNCF und gehören zu den schnellsten Schienenfahrzeugen der Welt. Die Höchstgeschwindigkeit im normalen Betrieb beträgt etwa 320 Kilometer in der Stunde. Der Zug vom Hersteller Alstom erreichte 2007 bei einer Rekordfahrt eine Spitzengeschwindigkeit von fast 575 km/h.

Für den TGV wurden vor allem in Frankreich viele eigene Schnellfahrstrecken gebaut. Die erste wurde 1981 zwischen Paris und Lyon eröffnet. TGV sowie deren Geschwisterzüge Thalys und Eurostar verkehren außer in Frankreich auch in Deutschland, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Luxemburg, Italien und Spanien.

  • Der Zug stürzte in einen Kanal.
    foto: reuters/kessler

    Der Zug stürzte in einen Kanal.

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    foto: reuters/jean-marc loos
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