Bericht der "White Miles"-Sängerin: "Überall Scherben, so viel Blut"

14. November 2015, 09:58
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Die österreichische Musikerin Medina Rekic stand kurz vor dem Angriff auf den Kozertsaal im Bataclan noch auf der Bühne – in einem Telefonat berichtet sie von ihren Erlebnissen

Vor gut einer Stunde ist Medina Rekic in ihr Hotelzimmer zurückgekehrt. "Es ist total skurril. Ich schaue gerade aus dem Fenster auf die Straße. Die Fußgänger, die Autos – jetzt rennt plötzlich alles wieder. Fast, als wäre nichts gewesen", sagt die junge Frau. Rekic ist Teil des österreichischen Rockduos "White Miles". Als am Freitagabend Terroristen den Konzertsaal im Bataclan in Paris stürmen, hat die Gruppe ihren Auftritt als Vorband der "Eagles of Death Metal" gerade hinter sich.

"Nachdem wir gespielt haben, sind wir durch den Hinterausgang raus und haben schnell etwas zu essen geholt. Am Rückweg hielt uns kurz vor dem Konzertgebäude ein Polizist auf", erzählt Rekic im Gespräch mit dem STANDARD. Lauft, soll der Beamte auf französisch gerufen haben, lauft so schnell ihr könnt, drinnen wird geschossen.

"Es war nicht chaotisch"

Rekic und ihr Bandkollege Hansjörg Loferer sind dann zurück in das Fastfood-Lokal gerannt. Dort verbrachten sie etwa zwei bis drei Stunden, sagt Rekic. "Danach wurden wir von Polizisten in einen Innenhof gebracht. Das Bild draußen war einfach grauenhaft. Überall Scherben, überall Verletzte, so viel Blut, Tote." In der Konzerthalle in der Nähe des Place de la Bastille wurden mehr als achtzig Menschen umgebracht.

Die französischen Beamten haben ihrer Ansicht nach aber alles richtig gemacht: "Es war nicht chaotisch oder so." In den Innenhof seien immer wieder neue Menschen gebracht worden. "Es waren glückliche und traurige Szenen, die sich dort abspielten. Manche haben sich wiedergefunden, andere hingegen wussten bereits, dass sie jemanden nie wieder sehen werden."

Ein paar Tage würden die beiden Österreicher nun vermutlich noch in Paris bleiben. Sie habe mit dem Tourmanager aber noch nicht gesprochen, "der hat das ganze Massaker live in der Halle erlebt". Rekic will nun erst einmal versuchen, zu schlafen. "Ich bin in einem undefinierbaren Zustand. Mal schießt mir alles ein, was passiert ist. Dann glaube ich wieder, es war alles nur ein Traum." (Katharina Mittelstaedt, 14.11.2015)

  • Der Club Bataclan heute früh.
    foto: apa/epa/uwe anspach

    Der Club Bataclan heute früh.

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