Vor dem Malerfürstenthron

14. November 2015, 09:15
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Unser Malerfürst Ernst Fuchs ist tot, meldete die "Kronen Zeitung" am Dienstag Besitzansprüche an

Und wieder ist ein Unsriger gestorben. Unser Malerfürst Ernst Fuchs ist tot, meldete die "Kronen Zeitung" am Dienstag auf Seite 1 Besitzansprüche an. Der Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, Professor und Liebhaber alles Schönen, der stets auch "Andacht" in seinem Leben suchte, hat seine Welt aus Fantasien, Träumen und Visionen verlassen. Die Fürstlichkeit des Malers setzte sich im Blattinneren fort, ohne dass der Besitzerstolz des Blattes zu leiden hatte: Wiener Malerfürst ist tot. Er scheidet bis heute die Geister des interessierten Publikums wie kaum ein anderer. Eine Scheidung, die sich in der Berichterstattung deutlich niederschlug.

So sehr die Werke des "Malerfürsten" auch polarisierten, hatte Ernst Fuchs viele – vor allem weibliche – Bewunderer, Gleichgesinnte und Wegbegleiter. Einerseits: er, der schon in der Jugend "die Geister der Toten sah", den das Fantastische, die Traumwelten und die Zwischenreiche sein Leben lang begleitet haben. Andererseits: In seinem glamourösen Leben zwischen Jetset, Monaco und Rolls-Royce war stets auch seine Otto-Wagner-Villa in Wien-Penzing Mittel- und gesellschaftlicher Treffpunkt. Wer das alles unter einen Hut zu bringen versteht, hat sich den Fürstenruf in der "Krone" verdient. Daher noch einmal: Der Malerfürst war auch im Besitz eines Rolls-Royce.

Seinen Stempel, der auf Möbeln, Skulpturen, in seinen Villen und an seinen Frauen ebenso zu finden ist wie auf seinem Werk - den hat er aufgedrückt, wo immer es sich ergab. Er wurde als "phantastischer Materialist" bezeichnet und hat Wien doch auch einen Stempel aufgedrückt. Die Welt war ihm ein Stempelkissen, glaubt man einem gewissen Thomas Gabler, Kunst war sein "Freiraum" – den nutzte er mit allen Sinnen!

Eines hat Ernst Fuchs wahrlich immer: polarisiert! Er, der schrille Künstler, der Vater von 16 Kindern, "geschenkt" von sieben Frauen. Nicht jedem gelingt es, sich durch stetes Polarisieren von sieben Frauen 16 Kinder schenken zu lassen. Nur die "Krone" sah da kein Problem. Aber kaum waren die Debatten über Pleitegerüchte, Zwangsversteigerungen von Werken und Hab und Gut verebbt, setzte jüngst das deutsche Magazin "stern" noch eines drauf. Da ward erst polarisiert! "Der Abstieg" stand auf der ersten Seite einer großen Reportage über den Künstler geschrieben. "Es riecht nach Krankheit und abgestandenem Essen", war unter dem Foto des ver- meintlich aufgebahrten Malers zu lesen – der lediglich im Souterrain seiner Villa in Wien-Penzing schlief.

Es hätte keinen Grund gegeben, diese Polarisierungsorgie deutscher Provenienz aufzuwärmen, aber die "Krone" wollte die Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu setzen, nicht ungenutzt verstreichen lassen. "Krone" -Reporterin Martina Münzer besuchte Fuchs nach dem Skandalbericht, plauderte mit dem Mann im schneeweißen Anzug. Nahezu totgesagt im "stern", das hat ihn nicht erschüttert, aber dann auch noch Besuch von der "Krone" – da war es beruhigend zu erfahren, das Leben nach seinem Tod sei längst gemanagt.

Tiefe Trauer um "Malerfürst" Ernst Fuchs, registrierte die "Krone" bei einem neuerlichen Besuch am nächsten Tag an der Arbeitsstätte von "Malerfürst" Ernst Fuchs. "Im Moment hält dieses Haus den Atem an. Es ist tot", erfährt die Reporterin, bietet aber tapfer Paroli: und doch irgendwie lebendiger denn je.

Nachrufe kann man sich nicht aussuchen, auf die hat man nicht einmal als Malerfürst Einfluss, und die "Krone" wäre die Letzte, die sich da was dreinreden ließe. Auf ihren Nachruf Einfluss nehmen zu wollen, hat leichtsinnigerweise Susanne Winter mit diversen Interviews versucht. Als untote Abgeordnete demonstrierte sie in "Österreich", dass es ein Leben danach bei vollen Bezügen gibt. Das wirklich Tolle ist, dass sich viele Bürger gemeldet haben. Es gab Meldungen, wo sie mir die Uhrzeit gesagt haben, wann sie aus der Partei ausgetreten sind, nachdem sie das vom Kickl gehört haben.

Ob die FPÖ diesen Aderlass verkraften kann, bleibt abzuwarten. Schließlich hätten sich auch Parteien um sie gerissen, sogar einige. Aber ich tue mir schwer, in eine andere Partei zu wechseln. Es ist der gleiche Klubzwang. Die Abgeordneten sind ja nur eine Abstimmungsmasse. Lieber untot.

Wie auch immer, Frau Winter braucht nicht zu verzweifeln. Mag sie die Freiheitliche Partei auch fürs Erste ausgeschlossen haben, in der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft bleibt sie fest verwurzelt. Das kann ihr niemand nehmen. (Günter Traxler, 14.11.2015)

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