Abkehr vom Billigstbieterprinzip in Großküchen

14. November 2015, 12:00
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Ausweitung bei verpflichtenden Herkunftsangaben: Öffentliche Großküchen sollen möglichst regional kochen

Wien – Die Kennzeichnung von Lebensmitteln soll schrittweise erweitert werden. Damit soll die Nachfrage nach österreichischen Lebensmitteln angekurbelt werden, erhoffen sich Landwirte und lokale Lebensmittelproduzenten. In Österreich produzierte Lebensmittel sollen so gegenüber Billigimporten, bei denen weniger auf diverse Standards geachtet wurde, stärker positioniert werden. Vor allem beim Frischfleisch soll dieses Best- statt Billigstbieterprinzip greifen.

"Wenn uns Tierwohl wirklich ein Anliegen ist, muss es um das beste und nicht um das billigste Angebot gehen", sagt Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer. Verankert werden diese höheren Standards im derzeit in Novellierung befindlichen Bundesvergabegesetz. Vor allem die staatliche Gemeinschaftsverpflegung soll demnach ihren Einkauf nach dem Bestbieterprinzip ausrichten. Es geht dabei um eine ganze Menge. Von den 2,2 Millionen Mittagessen, die in Österreich täglich und wochentags nicht zu Hause eingenommen werden, sind etwa die Hälfte in öffentlichen Großküchen gekocht: für Schulen, Internate, Spitäler, Buffets und Mensen, in den Großküchen von Ministerien und Behörden.

Das Einkaufsvolumen dieses Sektors ist enorm. Laut Schätzungen des Dachverbands der österreichischen Gemeinschaftsverpfleger werden 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro für den Einkauf von Gemeinschaftsverpflegung aufgewendet.

Segen aus der SPÖ

Für diese Neuausrichtung des Einkaufs, für die sich vor allem die ÖVP mit ihrer bäuerlichen Klientel starkgemacht hat, gibt es auch den Segen der SPÖ. Denn durch das Billigstbieterprinzip herrsche überall Lohn- und Sozialdumping, so SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch in einer Aussendung. Dass es nun zu einem Preisschub kommen würde, lässt man in der Landwirtschaftskammer nicht gelten – dabei handle es sich nur um Centbeträge.

Als zweiter Schritt sollen dann Speisekarten mehr im Sinne von "Made in Austria" gekennzeichnet werden müssen. Verpflichtende Herkunftsangaben sind bis zu einem gewissen Grad zumindest im Handel ohnedies obligat. Seit heurigem Frühling gilt eine EU-Vorgabe, wonach frisches und gefrorenes Fleisch auf der Verpackung Auskunft über Aufzucht und Schlachtung der Tiere geben muss. Bei Rindern ist das seit zehn Jahren üblich – seit 1. April ist die Herkunftsangabe auch für Geflügel, Schweine, Schafe und Ziegen verpflichtend. Der nicht gerade unwesentliche Geburtsort der Tiere bleibt allerdings für Konsumenten weiterhin verborgen.

Was im Supermarkt Alltag ist, soll also auch in der Gastronomie kommen: eine Kennzeichnung, die Auskunft gibt, woher das Fleisch kommt. Peter Dobcak, Gastroobmann in der Wirtschaftskammer Wien und selbst Gastronom, hat für die Verpflichtung wenig Verständnis. "Wir setzen auf Freiwilligkeit", sagt er. In der gehobenen Gastronomie gebe es das ohnedies de facto bereits. (Johanna Ruzicka, Regina Bruckner, 14.11.2015)

  • Wer daheim ein Schnitzel isst, weiß, wo das Kalb aufgezogen und geschlachtet wurde. In Schulen, Spitälern und beim Wirt ist das meist nicht der Fall. Doch auch hier soll künftig mehr Transparenz herrschen und  vor allem mehr Regionales serviert werden.
    foto: apa/kaufmann

    Wer daheim ein Schnitzel isst, weiß, wo das Kalb aufgezogen und geschlachtet wurde. In Schulen, Spitälern und beim Wirt ist das meist nicht der Fall. Doch auch hier soll künftig mehr Transparenz herrschen und vor allem mehr Regionales serviert werden.

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