Verösterreicherung in Moll

13. November 2015, 17:08
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Im Angebot steht weniger das an Güte Beste, sondern vor allem gut Verkäufliches

Auch bei Kunstmessen neigt sich die Saison dem Ende zu, und es war – zumindest im deutschsprachigen Raum – wohl eine, die sich eher von der zähen Seite zeigte. Die Mehrheit der Kunsthändler und Galeristen bilanzierten, wenn überhaupt, kostendeckend. Angesichts magerer Gewinnmargen galt es schon als Erfolg, wenn die Spesen in Größenordnungen von 20.000 bis zu 80.000 Euro je Messeteilnahme bestritten werden konnten. Nicht allen war und ist derlei vergönnt, sie hoffen jetzt auf Folgegeschäfte und rittern im Ausland um Neukunden.

In München etwa, wo zuletzt einige Kunsthändler aus Wien ihr temporäres Quartier im Postpalast (25. 10. – 1. 11.) oder in der Residenz München (Munich Highlights, 26.-30. 10.) aufgeschlagen haben. Mit mäßigem Erfolg. Wie man hört, grassiere dort angesichts der Flüchtlingskrise eine Kaufunlust und hätten sich österreichische Stammbesucher aus dem Einzugsgebiet angesichts Wartezeiten an der Grenze gar nicht erst auf den Weg gemacht.

Nun also zelebriert die Branche in Wien das Saisonfinale (bis inkl. 15. 11.): im Palais Ferstel und Niederösterreich (Wiener Internationale Kunst- und Antiquitätenmesse) einerseits und in der Hofburg (Art & Antique) andererseits. Der gemeinsame Nenner ist die Ware Kunst, als trennendes Merkmal fungiert wiederum die Güte des Angebotes, mit der unterschiedliche Klientengruppen bedient werden wollen.

Das Siegel "international" verdient genau genommen keine der beiden Messen, sowohl in Ermangelung renommierter Aussteller aus dem Ausland als auch hinsichtlich des Angebots, das an zunehmender Verösterreicherung laboriert. Eine Entwicklung, die sich allerdings die anvisierte Zielgruppe an die Fahnen heften darf: Ihre Kaufentscheidung von heute diktiert das Angebot von morgen, entscheidet darüber, was auf Messen präsentiert wird und was nicht. In Schönheit sterben eben selbst Kunsthändler nur ungern.

Hierzulande hatte dies jedoch parallel zur Folge, dass sich Anbieter internationaler Ware sukzessive zurückzogen und seither stattdessen im Ausland ihre Märkte bedienen: Johannes Faber, spezialisiert auf Vintagefotografie, hinterlässt hier ebenso eine schmerzliche Lücke wie Wienerroither & Kohlbacher mit ihrer exquisiten Auswahl an Werken von Egon Schiele, Gustav Klimt oder auch Alfred Kubin.

Zeitgleich hapert es jedoch auch an Grundlegendem, denn nicht alles, was hier in elitärem Ambiente feilgeboten wird, verdient auch das Prädikat "messewürdig", es sei denn, das einstige Leistungsschau-Postulat wurde längst zu Grabe getragen. Aber zum Glück gibt es auch Lichtblicke: etwa die gewohnt souveräne Präsentation bei Kovacek Spiegelgasse, mit einer motivischen Walde-Rarität, einer Fastnacht von 1926 (680.000 Euro).

Erwähnenswert sind auch die von Walter Freller zu einer Sonderschau vereinten 13 Gemälde Carl Molls (144.000 bis 385.000 Euro). Exquisit fällt wiederum die Mini-Retrospektive zum Schaffen Arnulf Rainers bei Galerie Ruberl (20.000 bis 80.000 Euro) aus. Und ein Gewinn für Liebhaber des Jugendstils ist neben Debütantin Susanne Bauer mit charakteristischem Salonmobiliar vor allem die mit Verve gestaltete Präsentation kunstgewerblicher Meisterwerke der Brüder Florian und Nikolaus Kolhammer. (kron, Album, 13.11.2015)

  • Motivisch eine Rarität: Alfons Waldes "Fastnacht" aus dem Jahr 1928. Bis heute gilt Tirol als eine Hochburg dieses Brauchs, bei dem sich die Kräfte des ankommenden Frühlings symbolisch heftig gegen die noch anhaltende Macht des Winters stemmen.
    foto: galerie kovacek

    Motivisch eine Rarität: Alfons Waldes "Fastnacht" aus dem Jahr 1928. Bis heute gilt Tirol als eine Hochburg dieses Brauchs, bei dem sich die Kräfte des ankommenden Frühlings symbolisch heftig gegen die noch anhaltende Macht des Winters stemmen.

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