Wetter und Gesundheit: Kälte offenbar gefährlicher als Hitze

13. November 2015, 12:33
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Laut einer Studie sind besonders niedrige Temperaturen für etwa 20-mal mehr Todesfälle verantwortlich als überdurchschnittlich hohe

"Wetterfühlig" dürften in Mitteleuropa rund 30 Prozent der Bevölkerung sein. Laut einer großen internationalen Studie ist Kälte offenbar gefährlicher als Hitze. Unumstritten sind solche Untersuchungen aber nicht. Die Korrelation von Beobachtungen bedeuten noch keinen ursächlichen Zusammenhang.

Kaltes Wetter ist laut einer Studie im Journal "Lancet" für die Gesundheit viel schädlicher als warmes. Die Forscher hatten für die Untersuchung 74 Millionen Todesfälle zwischen 1985 und 2012 in 13 Staaten quer über den Erdball ausgewertet. Das Team um Antonio Gasparrini vom Hygiene- und Tropeninstitut in London setzte die Daten in Verbindung zu einer für jedes Land einzeln berechneten Idealtemperatur.

Kälte belastet Atemwege

Das Ergebnis der Wissenschafter: Kälte ist für etwa 20 Mal mehr Todesfälle verantwortlich als Wärme. Ist es zu warm, belastet das vor allem Herz und Kreislauf. Ist es zu kalt, kommen laut Studie Probleme mit den Atemwegen als weiteres Risiko hinzu, außerdem ist dann die Immunabwehr schwächer.

Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, Wärme nur für 0,42 Prozent. Aber: Extreme Temperaturen – egal ob eisige Kälte oder große Hitze – waren nur für relativ wenige Todesfälle verantwortlich. Die meisten wetterbedingten Todesfälle ereigneten sich an mäßig heißen und vor allem an etwas zu kalten Tagen, wie Gasparrini erläuterte.

In Madrid zum Beispiel starben die meisten Menschen bei acht Grad. Den zweithöchsten Ausschlag hatte die Kurve bei 25 Grad. Bei extremeren Temperaturen um die Null und über 30 Grad flachte die Kurve stark ab. Die für die Gesundheit ideale Temperatur läge den Daten zufolge für Spanien um die 22 Grad. Egal ob heiße, feuchte oder kalte, trockene Länder: Die Grafik, die Todesfälle und Temperatur zueinander in Beziehung setzt, ergibt in fast allen Klimazonen eine Art M.

Drei Phänomene

Insgesamt wird zwischen drei Phänomenen unterschieden: Eine "Wetterreaktion" ist das ganz normale Reagieren des Körpers auf einen entsprechenden Umweltreiz – zum Beispiel das Schwitzen oder Frieren bei hohen oder tiefen Temperaturen. Damit hält der Körper seine Kerntemperatur möglichst stabil.

Wetterfühligkeit ist ein erhöhtes Ansprechen von Menschen auf bestimmte Wetterbedingungen. Eine erniedrigte Reizschwelle begünstigt solche Beschwerden. Wetterempfindlichkeit wird hingegen zumeist im Laufe des Lebens erworben. Typischerweise sind das zum Beispiel Narben- oder Knochenschmerzen nach früheren Verletzungen oder Frakturen bei bestimmten Wetterlagen. Mit Migräne oder Schmerzen reagiere der Körper vor allem bei deutlichem Wetterumschwung und Temperaturschwankungen.

Im Grunde hängt es bei Wetterfühligen jeweils davon ab, auf welche Situation ihr Körper mit Beschwerden reagiert. Bestimmte Wetterlagen sind für einzelne Gruppen immer ein Nachteil. In einem sehr kalten und feuchten Winter leiden zum Beispiel vor allem Rheumatiker und Menschen mit Entzündungen.

Eisig-trockene Winterluft sorgt hingegen vor allem bei Asthmatikern für Beschwerden. Feuchtigkeit, Kälte oder Trockenheit macht Herz-Kreislauf-Patienten eher weniger Probleme. Wechseln Temperaturen allerdings sehr rasch und kommt es somit zu Druckunterschieden, muss auch diese Gruppe mit Beschwerden rechnen. (APA, 13.11.2015)

  • Kälte ist, aus gesundheitlicher Sicht, gefährlicher als Hitze.
    foto: sergei ilnitsky/epa/apa

    Kälte ist, aus gesundheitlicher Sicht, gefährlicher als Hitze.

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