MiMiMis, Schüblinge und Biodeutsche

14. November 2015, 09:00
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Aus dem Vokabular der Migration und des Multikulturalismus

Der Themengroßraum Migration/Multikulturalismus/Flüchtlinge bringt neben unterschiedlichsten Emotionen auch immer wieder neue Wörter hervor: "Asylwerber", "Migrationshintergrund", "Parallelgesellschaft", "Zaundebatte", den sinistren Austriazismus "Schübling" (bürokratisch für: Abzuschiebender) oder den skurrilen Austriazismus "Türl mit Seitenteilen".

Omid Nouripour, Deutscher mit iranischem Migrationshintergrund und außenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, hat 2013 in seinem Büchlein "Kleines Lexikon für MiMiMis und Biodeutsche" (dtv) einschlägiges Vokabular zusammengefasst.

MiMiMi bedeutet dabei so viel wie "Mitmensch mit Migrationshintergrund" (in dieser Bedeutung in Österreich ungebräuchlich; hier meint "Mimimi" eher den Schmerzenslaut eines Jammerlappens oder einer Jammerläppin). Mit dem "Biodeutschen" ist ein Deutscher mit ethnisch "reiner" Abstammung gemeint.

Eine schnelle Internetrecherche zeigt, dass nicht eindeutig gesagt werden kann, ob "Biodeutscher" per se politisch gut, böse, korrekt oder rassistisch ist: Es kommt auf den situativen Zusammenhang an, ob das Wort in gehässiger oder ironischer Absicht ins Spiel gebracht wird.

Bemerkenswert, dass das austriazensische Wortpendant "Bio-Österreicher" nicht existiert. Vielleicht deshalb, weil wir Österreicher nach einer tausendjährigen Durchmischungsgeschichte nur schwer imstande wären zu sagen, worin denn ein ethnisch reines Österreichertum, ein "Bio-Österreichertum", bestünde? (win, 14.11.2015)

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    foto: apa / epa / alexandra beier
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