Griechenlands Wirtschaft hält sich unerwartet gut

13. November 2015, 15:53
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Die Wirtschaftsleistung schrumpfte im dritten Quartal um 0,5 Prozent, Analysten hatten einen fünfmal so starken Einbruch erwartet – Regierung vor Einigung mit Geldgebern

Athen/Berlin – Das monatelange Tauziehen mit den Geldgebern aus der Eurozone um weitere Hilfe und Reformen kommt Griechenland weitaus weniger teuer zu stehen als befürchtet. Die Wirtschaftsleistung ging im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um lediglich 0,5 Prozent zurück, gab das Statistikamt Eurostat am Freitag bekannt. Analysten hatten einen Einbruch um 2,7 Prozent erwartet.

Im zweiten Quartal hatte Griechenlands Wirtschaft dank steigender Konsumausgaben noch ein Wachstum von 0,4 Prozent geschafft. Doch im Sommer wurden die Banken drei Wochen lang geschlossen, was die Wirtschaft belastete. Anschließend wurden aus Furcht vor einem Zusammenbruch des Bankensystems Kapitalkontrollen eingeführt. Pro Woche durften die Griechen lediglich 420 Euro abheben – das bremste den privaten Konsum.

Firmen fahren Produktion hoch

Aus der Industrie kamen dagegen ermutigende Signale: Die Firmen fuhren im August und September ihre Produktion hoch. Die Regierung verwies zudem auf eine starke Entwicklung des Tourismus. Die Arbeitslosigkeit ist zwar mit 24,6 Prozent immer noch mehr als doppelt so hoch wie im Euroschnitt, aber rückläufig.

Bis die Wirtschaftskrise überwunden ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Die EU-Kommission sagt Griechenland im kommenden Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent voraus. Als Gründe nennt sie die Effekte der heuer nur knapp vermiedenen Staatspleite und die Probleme der Banken. 2015 erwartet die Kommission einen BIP-Rückgang um 1,4 Prozent. Licht am Ende des Tunnels sieht sie erst 2017, wenn das griechische BIP um 2,7 Prozent steigen dürfte.

Vor Einigung

Griechenland könnte indessen bald eine seit Wochen ausbleibende Hilfs-Tranche von zwei Milliarden Euro für seine maroden Finanzen sowie zehn Milliarden Euro für die Sanierung seiner Banken erhalten. Die Kontrolleure der internationalen Geldgeber und Athen stehen nach Informationen aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums kurz vor einer Einigung über die Umsetzung noch offener Reformauflagen.

Wichtigstes Thema seien die sogenannten faulen Kredite, hieß es in Athen. Diese haben inzwischen ein Gesamtvolumen von mehr als 100 Mrd. Euro erreicht. Die Regierung versucht, möglichst viele sozial schwache Bürger, die die Kredite nicht mehr bedienen können, vor einer Beschlagnahmung ihrer Wohnung zu schützen.

Ursprünglich sollte fast jeder zweite säumige Schuldner geschützt werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur von mit den Verhandlungen vertrauten Mitarbeitern der griechischen Seite erfuhr, sollen sich die Verhandler nun auf Maßnahmen geeinigt haben, die nur etwa 20 Prozent der Schuldner von einer Beschlagnahmung ihrer Immobilie schützen sollen. Weitere Themen sind Rentenkürzungen und Reformen im Rentensystem, hieß es aus Verhandlungskreisen.

(APA, 13.11.2015)

  • Die griechische Wirtschaft kämpft zwar, dürfte aber besser als erwartet mit den Kapitalverkehrskontrollen umgehen.
    foto: ap / giannakouris

    Die griechische Wirtschaft kämpft zwar, dürfte aber besser als erwartet mit den Kapitalverkehrskontrollen umgehen.

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