Abgas-App: Immer gut vernetzt mit dem Auspuff

17. November 2015, 09:00
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Was hinten rauskommt, wenn man vorne den Gasfuß durchdrückt, interessiert seit der VW-Affäre. Eine App nimmt die Messung vor

Linz – Nichts ist seit dem 18. September für den gemeinen Autofahrer mehr so, wie es einmal war. Mit dem Tag, an dem die US-Umweltbehörde EPA bekanntgab, dass VW bei den Abgaswerten heftig getrickst hat, ist auch das Vertrauen in den eigenen Motor dahin.

Mit abfälligem Blick wird der Auspuff gestraft – die Frage, was man nun tatsächlich so im Schnitt durch das Endrohr bläst, ist drängender denn je. Konkrete Antworten gibt jetzt ein junges oberösterreichisches Unternehmen.

AMV Networks GmbH mit Sitz in Ranshofen hat sich seit der Firmengründung 2010 auf eine datenschutzkonforme Erfassung von Fahrzeug-Echtzeitdaten spezialisiert. Entwickelt wurde etwa die sogenannte "DiBox" – das zigarettenschachtelgroße Gerät wird an der Windschutzscheibe angebracht und informiert dank GPS-Empfänger und Mobilfunkmoduls über den Status des eigenen Fahrzeugs: Sind Fenster geöffnet oder geschlossen, brennt das Licht, wie voll ist der Tank, wird mein Fahrzeug gerade illegal in Betrieb genommen? Eine App zeigt es an.

Plug&Play-Montage

Jetzt ist man bei AMV Networks aber noch einen Schritt weiter gegangen und will Licht ins Dunkel vernebelter Abgaswerte bringen. Nach dem Motto "Wer nicht selber misst, muss alles glauben" gibt ein neues Datenmodul den Fahrzeughaltern wieder die Kontrolle zurück: "The Stigg" misst Emissionswerte und liefert die NoX- und CO2-Bilanz in Echtzeit und ganz smart auf jedes Telefon. Das Modul kann einfach per Plug&Play von jedermann im Fahrzeug montiert werden. Der Preis wird im zweistelligen Eurobereich liegen.

"The Stigg misst dabei nicht nur die tatsächlichen Emissionen, sondern vergleicht diese auch mit Referenzwerten", erläutert AMV-Geschäftsführer Andreas Steiner im Gespräch mit dem STANDARD. Das diene auch "dem Erfahren" des eigenen Verhaltens hinterm Steuer. Steiner: "Weniger Abgas geht einher mit ökonomischer Fahrweise. Mit unserem Produkt können die Lenker selbst ihren Einfluss auf das Umweltverhalten abtesten."

"Politische Wunschvorstellungen"

In der Diskussion um manipulierte Abgaswerte sieht Steiner vor allem die Politik zu wenig in der Plicht: "Über Jahre wurden von politischer Seite die gesetzlich festgeschriebenen Abgaswerte immer weiter nach unten korrigiert. Zu erfüllen sind diese Vorgaben heute oft nur mehr im Labor." Die Tests würden daher "einfach nur politische Wunschvorstellungen widerspiegeln". Steiner: "Denen müssen die Autohersteller entsprechen – leider nicht immer mit legalen Mitteln." Man wolle aber keinen Generalverdacht gegen Hersteller wecken, sondern Fahrzeuglenkern ein Gespür zwischen der Realität und den festgesetzten Werten geben.

Und was schon bei diversen Fitness-Apps funktioniert hat, soll auch The Stigg zum breiten Erfolg führen: Konkurrenz spornt an, das Abgasduell ist eröffnet. Dank der Vergleichsdaten ist künftig schnell klar, wer der größte Stinker in der Familie ist. (Markus Rohrhofer, 17.11.2015)

  • Der Dreck kommt mit einem Wisch direkt auf das Handy: "The Stigg" liefert ungeschönte Abgaswerte und soll das Umweltbewusstsein der Autofahrer schärfen.
    foto: amv networks

    Der Dreck kommt mit einem Wisch direkt auf das Handy: "The Stigg" liefert ungeschönte Abgaswerte und soll das Umweltbewusstsein der Autofahrer schärfen.

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