Frühe Trennung von der Mutter beeinträchtigt Schimpansen ihr Leben lang

14. November 2015, 13:00
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Soziale Defizite bleiben Jahrzehnte lang bestehen – nicht nur bei isoliert gehaltenen Tieren, berichtet ein internationales Forscherteam

Graz/Wien – Wurden Schimpansen noch vor ihrem zweiten Geburtstag von der Mutter getrennt, bleiben sie auch als Erwachsene in Gruppen isoliert und zeigen Defizite im Sozialverhalten. Bisher war dies nur von lange isolierten Laborschimpansen bekannt. Österreichische und niederländische Forscher beobachteten bei Einschränkungen im sozialen Fellpflegeverhalten nun auch bei Individuen, die in Gruppen leben, und berichteten darüber im Fachblatt "Scientific Reports".

Soziale Fellpflege spielt bei Schimpansen eine wichtige Rolle für den Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen. Die von den Wissenschaftern für ihre Studie beobachteten "verwaisten" Schimpansen hatten weniger Partner, denen sie das Fell pflegten und waren auch weniger aktiv im Vergleich zu Schimpansen, die mit ihren Müttern aufwuchsen, erklärte Elfriede Kalcher-Sommersguter von der Universität Graz.

Die Defizite zeigten sich jedenfalls nicht nur bei in Gruppen eingegliederten Schimpansen-Waisen, die jahrelang beispielsweise in einem biomedizinischen Labor in Einzelhaltung lebten. Auch Tieren, die schon bald nach der Trennung von ihren Müttern in Gruppen in Zoos gelebt hatten, waren betroffen. "Der Verlust der Mutter in früher Kindheit wirkt sich auch bei Schimpansen gravierend auf spätere Sozialbeziehungen aus: Selbst Schimpansen, die bereits seit rund 40 Jahren in einer Gruppe lebten, zeigten diese Defizite", erklärte Jorg Massen von der Universität Wien.

Zwischen 1950 und 1980 wurden tausende wild lebende Schimpansenjunge von Westafrika nach Europa, Japan und die USA exportiert, wo sie etwa in der Forschung eingesetzt wurden. Auch viele Zoo-Populationen stammen direkt von Schimpansen ab, die im Zuge dieser "Exportwelle" dorthin verfrachtet wurden. (APA, 14.11.2015)

  • Schimpansen, die innerhalb der ersten beiden Lebensjahre von ihren Müttern getrennt wurden, sind noch Jahrzehnte später in ihrem Sozialverhalten eingeschränkt.
    foto: ap/martin meissner

    Schimpansen, die innerhalb der ersten beiden Lebensjahre von ihren Müttern getrennt wurden, sind noch Jahrzehnte später in ihrem Sozialverhalten eingeschränkt.

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