7.500 Jugendliche mit Essstörungen: Ministerium startet Kampagne

12. November 2015, 14:47
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Karmasin warnt vor Online-Gefahr "Pro-Ana/Pro-Mia", setzt auf Medienkompetenz und schließt Verbote nicht aus

Wien – Einer WHO-Studie zufolge waren 2002 rund 60 Prozent der Elfjährigen in Österreich überzeugt, "ungefähr das richtige Gewicht" auf die Waage zu bringen. 2010 sank die Zahl auf 52 Prozent. Familienministerin Sophie Karmasin (VP) präsentierte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien ihre Strategie im Kampf gegen die "Pro-Ana/Pro-Mia"-Bewegung. Sie setzt vor allem auf Prävention.

7.500 Österreicher unter 20 leiden derzeit an Bulimie oder Anorexie. Bis zu 97 Prozent sind weiblich – und viele sehr jung. Nicht einmal die Hälfte der Unter-16-Jährigen ist hierzulande mit ihrem Gewicht zufrieden: Im Vorjahr stimmten knapp die Hälfte der 13- und 15-Jährigen der Frage zu (42 bzw. 42,5 Prozent). Karmasin hält den "Kult um Essstörungen" für extrem gefährlich. "Ana und Mia sind keine Freundinnen, sie sind eine Krankheit."

Eltern sensibilisieren

"Pro-Ana/Pro-Mia" propagiert und glorifiziert die Essstörungen Bulimie oder Anorexia als erstrebenswerten Lebensstil. Ein wichtiger Schritt sei, Eltern für diesen "Trend" zu sensibilisieren und ein gesundes Körper- und Selbstbewusstsein zu entwickeln. "Frauen definieren sich immer noch über ihren Körper, gab die Ministerin zu bedenken.

Kennzeichnungspflicht für retouchierte Bilder

Verbote gewisser Formate, die ein gefährliches Schönheitsbild vermitteln, und Kennzeichnungspflichten bei retouchierten Bildern schließt Karmasin als ergänzende Maßnahmen nicht aus. In gezielten Seminaren und Workshops soll Medienkompetenz vermittelt werden. Eltern sollen zusätzlich darin geschult werden, Warnsignale schneller und besser zu deuten. Eine Anlaufstelle soll Angehörigen den Druck und die Hintergründe und Machtverhältnisse in Foren, Social Media und Whatsapp-Gruppen verständlich machen.

Die neue Workshopreihe body.talks thematisiert ab dem kommenden Jahr ganz konkret diese Themen. Das omnipräsente Smartphone kann zu einem Risikofaktor werden, erläuterte Medienforscher Jochen Tschunko. Denn online finden Gleichgesinnte sowohl öffentlich als auch in geschlossenen Gruppen zueinander. Im Netz findet man regelrechte "Abnehmwettbewerbe", nicht selten befeuert von ominösen Teilnehmern mit falschen Identitäten. Das Internet ermögliche es der "Pro-Ana/Pro-Mia"-Bewegung nicht nur, sich gegenseitig in der "sektenartigen Glorifizierung von pathologischem Essverhalten zu bestärken", Druck und allgegenwärtige gegenseitige Überwachung in teils geschlossenen Gemeinschaften verstärken das Phänomen. (APA, 12.11.2015)

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