Jeder Vierte startet mit Sinnkrise ins Berufsleben

20. November 2015, 09:00
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Jung, gut ausgebildet, aber unglücklich: Ein Viertel der Akademiker dürfte laut aktueller Studie in eine "Quarterlife-Crisis" schlittern

Das Berufsleben beginnt bei jedem vierten Absolventen bereits mit einer Sinn- und Identitätskrise: Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftern der Privatuni Schloss Seeburg. Dafür wurden 2640 Studierende im deutschsprachigen Raum online befragt.

"Die sogenannte Quarterlife-Crisis beginnt, wie wir nachweisen konnten, etwa mit Abschluss des Studiums", sagt Thomas Schneidhofer, Professor für Management, der die Studie gemeinsam mit Rafaela Artner durchführte. "Die Betroffenen wissen dann nicht mehr wirklich, wie es für sie weitergeht."

Frauen eher gefährdet

Was sich zeigte: Besonders Frauen dürften in eine solche Krise schlittern. "Was insofern beachtlich ist, als dass Frauen in der psychologischen Literatur als das emotional stabilere Geschlecht gelten."

Ebenfalls gefährdet sind laut Schneidhofer sozial Schwächere. "Man könnte vermuten, dass das damit zusammenhängt, dass sie einen Habitus haben, der nicht unbedingt zu den Erfordernissen passt. Was nicht heißt, dass sie diesen Anforderungen nicht gewachsen wären. Sie haben nur das Gefühl, dass ihr Mindset, all ihre Fähigkeiten nicht für die Arbeitswelt genügen."

Impostor-Syndrom

Dieses Gefühl nennt sich im Fachjargon "Impostor"- oder zu Deutsch: Hochstapler-Syndrom. "Obwohl die Betroffenen kompetent wären, eine Position auszufüllen zweifeln sie daran, dass sie das auch können", sagt Schneidhofer. "Nach dem Motto: Irgendwann wird jemand herausfinden, dass ich gar nicht so gut bin, wie alle glauben."

Auch Absolventen, die noch zu Hause wohnen dürfte die Quarterlife-Crisis eher betreffen. "Sie konnten noch nicht richtig mit dem Leben beginnen und dann wird auch noch ständig in den Medien gesagt, dass ihre Chancen am Arbeitsmarkt nicht besonders rosig sind. Das verursacht eine Krise."

Im Gegensatz dazu dürften Studienrichtung und akademischer Erfolg keinen Einfluss darauf haben, ob ein Akademiker oder eine Akademikern gefährdet ist, in Sinnzweifel zu verfallen oder nicht.

Erklärung für Perspektivenlosigkeit

Abgefragt wurde für die Studie einerseits, ob die Teilnehmer von sich selbst glauben, in der Krise zu sein. Andererseits prüften die Studienautoren die Betroffenheit anhand psychologischer und soziologischer Faktoren, darunter: Angst, Überforderung oder Orientierungslosigkeit (beispielsweise: "Ich fühle mich nur in gewissen Bereichen den Anforderungen gewachsen").

Schneidhofer sieht in den Studienergebnissen "eine Erklärung für die Perspektivenlosigkeit der Generation Y, die ihr immer wieder angedichtet wird." (Lisa Breit, 20.11.2015)

  • Die Trendkrankheit der Generation Y heißt Quarterlife-Crisis. Der Begriff stammt aus der Populärpsychologie und bezeichnet die Sinnkrise nach dem ersten Lebensviertel.
    foto: istock

    Die Trendkrankheit der Generation Y heißt Quarterlife-Crisis. Der Begriff stammt aus der Populärpsychologie und bezeichnet die Sinnkrise nach dem ersten Lebensviertel.

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