Wie soll ich sein, dass ihr mich wollt?

14. November 2015, 09:00
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Für Bewerbungen hintrainieren, dass man ja dem Klischée des gefragten Typus entspricht? Ganz so schlimm ist es nicht, sagen Unternehmensvertreter

Wie soll ich sein, dass mich ein guter Job willkommen heißt? Welche Typen sind gefragt in einer Jobwelt, die sich immer schneller dreht, wo keiner genau sagen kann, welche Qualifikationen morgen überhaupt relevant sind? Dazu gibt es tonnenweise todsichere Tipps und Karriereschablonen, die Nachahmung "für den Erfolg" aufzwingen wollen. Und gleichzeitig wollen alle Authentizität. Ganz schön ängstigend.

Welche Typen gefragt sind

"Macher, Denker, Sprecher, Erfinder – welcher Typ ist wo gefragt", titelte das Karrierezentrum der Uni Wien in der Vorwoche eine Diskussionsrunde zum Thema. Und klar: Alle Unternehmensvertreter beteuern, dass es natürlich nicht um Schubladen oder Kategorien von Typen gehe, in die Junge passen müssten. Und nein, natürlich erwarte man keine fixfertigen Produkte – wenngleich: Ja, in Stellenausschreibungen werde oft hineingepackt, was geht an Wunschprofil – von einem einzigen (jungen) Menschen kaum zu erfüllen. "Wir sind ja Menschen und haben mit Menschen zu tun, die alle ständig Entwicklungsprozesse durchlaufen", formuliert Rechtsanwalt Johannes Wutzelhofer (Dax &Partner).

Typologien würden sich außerdem meist erst on the job ausprägen, und, sagt Stefan Bergsmann, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Horváth & Partners, man brauche ja auch nicht alles vom Denker bis zum Erfinder in jeder Situation und jeder Karrierestufe. Der Mehrheitseigentümer der Berater von RiskExperts, Gerhart Ebner, warnt sogar davor, Typen reinen Wassers, etwa Macher, in Positionen zu setzen, wo gleichzeitig voraussehende Denker-Qualitäten für angemessene Entscheidungen gefragt sind. Die erstbeste Lösung sei in vielen Situationen die gefährlichste.

Demut ist wichtig

Gut, also als Bewerberin und Bewerber braucht man nicht in Typen-Schubladen passen. Aber sind nicht tatsächlich "Macher" gefragt? Wutzlhofer: "Wenn bei mir einer rein kommt und sagt: ich bin ein Macher, dann ist er schnell wieder draußen." Warum? Weil es an Lernbereitschaft und Demut fehle.

Wie viel Spielraum besteht wirklich? Introvertierte und Stille werden sich bei Hofer, sagt Zweigstellen-Geschäftsführer Markus Chaloupka, schwer tun, weil jeder "unten" im Verkauf anfangen müsse und sofort mit Menschen zu tun habe. Kommunikationsfähigkeit und Freude an sozialem Verhalten sind für alle obere Priorität – darauf schauen sie.

Weniger ist oft mehr

Dass man überhaupt zum Gespräch vordringt, dafür sollte ein knapp gehaltener, übersichtlicher Lebenslauf sorgen ("ohne 23 Seiten Anlagen", wie Ebner stöhnt). gegen Lücken und mindere Noten wendet niemand etwas ein – wie immer geht es um die gute Erklärung. Wutzlhofer: "Noten bestimmen kein erfolgreiches Berufsleben. Entsprechende Erklärungen sind viel wichtiger als Eins im Bürgerlichen Recht." Auch beruhigend und ermutigend für die Studierendenschar im Auditorium.

Aber die Hobbies müssen schon Mainstream sein, nicht? Da steht doch in den Vorlagen: Lesen, Reisen, soziales Engagement. Was ist, wenn ich sage: meine Freizeit gehört der Party, ich bin Partytyp? Hofer-Chef Chaloupka lacht: "Super!" Alkoholexzesse bitte nein, die auch nicht vie FB oder sonstiger Kanäle, aber Party sei voll ok. Untermauerung aus dem Publikum: Wenn man sich schon so sozial erfahrene Kommunikationsprofis wünsche, dann kämen die ja sowieso nicht aus der Unibibliothek sondern eher aus dem wahren Leben – eben auch der Party.

Kein Social Media – Check

Lesen, Reisen – oder Party? Bleibt noch die strenge Vorgabe der ordentlichen elektronischen Spur, des perfekten virtuellen Ich, abgestimmt auf den eingesandten Lebenslauf, wie Karriereberater nicht müde werden zu sagen. Da verziehen die Unternehmensvertreter eher das Gesicht. Keiner googelt nach, virtuelle Ichs würden angeblich nicht gecheckt. Einzig Wutzlhofer sagt: "Ich bin von Grund auf neugierig." Gecheckt werde aber tendenziell dann, wenn Unstimmigkeiten auftreten.

Zurück zu den Typen: Welche Mischung ist gefragt? "Generalisten", sagen Hofer-Chef Chaloupka, Wutzlhofer und Bergsmann. Wobei: Hórvath suche auch spezielle Denker, um Innovationen zu befördern. Keine wirtschaftlichen oder juristischen Studien, auch Theaterwissenschafter? Bergsmann: "Ich bin Politikwissenschafter". Systemdenker" braucht Ebner für die schnell expandierenden RiskExperts. Kreativität steht auch auf der Wunschliste der Firmenleute. Dass diese mit autoritärer Führung nicht zu entwickeln ist, konzedieren alle und locken mit der Unternehmenskultur der längeren Leinen. (red, 13.11.2015)

  • Masken sollte man sich laut den Podiumsteilnehmern keine aufsetzen – natürlich gehe es nicht um Schubladen.
    foto: istock

    Masken sollte man sich laut den Podiumsteilnehmern keine aufsetzen – natürlich gehe es nicht um Schubladen.

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