Berufswahl: Männer zur Bank, Frauen zum Shampoo

19. November 2015, 09:00
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Wenn es um ihre Karriere geht, ticken Frauen grundlegend anders als Männer, zeigt eine Umfrage unter Absolventen

Wenn es um die eigene Karriere geht, ticken Frauen offenbar anders als Männer: Sie wollen nach dem Studium eher in der Pharma- oder Konsumgüterindustrie arbeiten – Männer eher in der IT- oder Finanzbranche. Auch was ihren Wunscharbeitgeber angeht, dürften sie andere Vorstellungen haben. Das zeigt das Graduate Barometer von Trendence, einem Forschungsinstitut für Employer Branding. Für die Studie wurden rund 6.200 Studierende in Österreich befragt, die kurz vor dem Berufseinstieg stehen.

Traumbranche

Den Ergebnissen zufolge ist der Banken- und Finanzsektor die beliebteste Branche der Männer, die ein Wirtschaftsstudium absolvieren – 12,4 Prozent wollen nach Abschluss dort arbeiten.Bei den Frauen dieses Studienfaches landet der Finanzsektor hingegen nur auf Rang fünf: Nur 6,3 Prozent der Wirtschaftswissenschaftlerinnen zieht es für den ersten Job dort hin. Ähnliche Ergebnisse zeigen auch die Rankings der beliebtesten Arbeitgeber: Bei den Männern landen drei Banken in den Top Ten. Die Erste Bank (Rang vier), die Raiffeisen Zentralbank (Rang sieben) und die Europäische Zentralbank (Rang acht).

Bei den Frauen schafft es lediglich die Raiffeisen Zentralbank mit Rang sieben unter die Top Ten der beliebtesten Unternehmen. Denn Frauen mit Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaften zieht es eher in die Konsumgüterindustrie (13,2 Prozent) und den Handel (10,6 Prozent). Auch bei den Absolventen der technischen Fächer bestätigen sich die Tendenzen. 15,6 Prozent der in der Trendence-Studie Befragten zieht es in die Chemie- und Pharmaindustrie. Unter den zehn beliebtesten Arbeitgebern der Ingenieurinnen und Informatikerinnen sind mit Bayer auf Rang drei, Boehringer Ingelheim auf Rang vier und Baxter auf Rang sechs gleich drei Unternehmen der Branche vertreten. Bei den Männern liegt das beliebteste Pharmaunternehmen, Bayer, auf Rang zwölf.

Gleiche Karrierechancen?

Sie zieht es stattdessen in die IT-Wirtschaft (14,7 Prozent) und die Automobilindustrie (11,7 Prozent). Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in der Belegschaft sei aber wichtig für das Betriebsklima und die Produktivität eines Unternehmens, sagt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch. Gerade Arbeitgeber aus Branchen, die bei Frauen nicht so hoch im Kurs stehen, müssen sehr früh ansetzen, um sie von sich zu überzeugen, sagt Koch. Am besten gelingen könne das, laut Umfrageergebnissen, über Karriereportale, Jobbörsen und die Karriere-Website der Unternehmen. Aber auch beim persönlichen Kennenlernen während eines Praktikums, über Kontakte aus dem eigenen Netzwerk und nach wie vor über Stellenanzeigen in der Zeitung.

Frauen, auch das zeigt sich in der Studie, dürften generell etwas anspruchsvoller bei der Wahl eines Arbeitgebers sein: Ein Unternehmen muss für sie mehr Kriterien erfüllen, damit sie dort arbeiten möchten, als für Männer. Für Frauen dürfte beispielsweise die Unternehmenskultur stärker zählen: Sie achten offenbar auf soziales Engagement, streben eine sichere Anstellung und eine ausgewogene Work-Life-Balance an – und orientieren sich schließlich auch daran, ob sie als Frauen im Unternehmen die gleichen Karrierechancen haben wie ihre männlichen Kollegen.

Männer hingegen gaben häufiger ökonomische Eigenschaften eines Arbeitgebers als wichtig an. Dazu gehören beispielsweise der wirtschaftliche Erfolg, die Innovationskraft, sowie die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens.

Weniger Gehalt

Auch wenn Frauen also an sich anspruchsvoller bei ihren Wünschen an ihren künftigen Arbeitgeber sein dürften – bei den Gehaltsforderungen macht sich das nicht bemerkbar.

Im Gegenteil: Hier sind die Absolventinnen deutlich bescheidener als ihre Kommilitonen. Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich: Technikerinnen rechnen mit 30.400 Euro brutto Einstiegsgehalt pro Jahr – 15 Prozent weniger als Männer, die 35.700 Euro erwarten. Bei den Absolventen und Absolventinnen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist das Verhältnis ähnlich. Die Frauen erwarten mit 28.600 Euro jährlich rund 13 Prozent weniger Gehalt als ihre Kommilitonen mit 32.700 Euro. (Lisa Breit, 19.11.2015)

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