Unicredit verpasst sich eine Rosskur

11. November 2015, 21:41
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1,6 Milliarden Euro an Kosteneinsparungen, 18.200 Stellen werden abgebaut

Der neue Sanierungsplan der Bank-Austria-Mutter Unicredit sieht schärfere Sparmaßnahmen vor als erwartet. Statt des anfänglich prognostizierten Abbaus von zehn- bis zwölftausend Stellen, sollen nun 18.200 Stellen bis 2018 abgebaut werden. Die Kosteinsparungen machen 1,6 Milliarden Euro aus und betreffen vorrangig Österreich und Deutschland.

Um eine neuerliche Kapitalerhöhung, es wäre die vierte seit 2010 gewesen, zu verhindern, hat Unicredit den im Vorjahr vorgelegten Geschäftsplan 2014 bis 2018 revidiert. Es handelt sich um eine wahre Rosskur, die Konzernchef Federico Ghizzoni jedoch als "realistisch und selbst finanziert" bezeichnet. Im Jobabbau sind auch die durch den Verkauf der ukrainischen Tochter und durch das Zusammengehen der Fondstochter Pioneer mit Santander Asset Management vorgesehenen rund 6000 Stelleneinsparungen enthalten. In Österreich, Deutschland und Italien sollen unter anderem 800 Filialen geschlossen werden. Mit dem schärfer als erwartet ausgefallenen Sparprogramm will der Unicredit Chef den Gewinn bis 2018 auf 5,3 Milliarden Euro bringen. Im ursprünglichen Geschäftsplan waren noch 6,6 Milliarden Euro Gewinn angepeilt worden. Die Kernkapitalquote CET 1 von 12,6 Prozent soll bis 2018 eine kräftige Dividendenerhöhung ermöglichen.

Die Unicredit-Kurse legten nach der Präsentation und dank der über Analystenerwartungen gelegenen Quartalsergebnisse vorübergehend mehr als drei Prozent zu, büßten die Gewinne aber bis Handelsschluss wieder ein.

Grund für das drastische Sanierungsprogramm ist nicht nur der Druck der Europäischen Zentralbank, die Kapitalausstattung zu festigen, und die strikte Ablehnung einer Kapitalerhöhung durch Großaktionäre (darunter der größte Investor Aabar aus Abu Dhabi). Die lahme Kursentwicklung der Mailänder Bank in den vergangenen zwölf Monaten (plus fünf Prozent) war den Aktionären ein Dorn im Auge. Unicredit-Rivale Banca Intesa Sanpaolo legte im gleichen Zeitraum 30 Prozent zu.

Eine Milliarde wird in die Digitalisierung der Vertriebskanäle gesteckt, die Vermögensverwaltung ausgebaut und das Polen-Geschäft erweitert. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 11.11.2015)

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