Vatikan ermittelt gegen Reporter

12. November 2015, 17:09
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Bücher von Nuzzi und Fittipaldi sorgen für Aufregung

Rom – Mit ihren Büchern zu finanziellen Missständen im Vatikan haben Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi für Schlagzeilen gesorgt – nun versucht der Kirchenstaat den Spieß umzudrehen und hat Ermittlungen gegen die italienischen Journalisten eingeleitet.

Im Zentrum der Vorwürfe steht der Verdacht auf Beihilfe zum Geheimnisverrat, teilte der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, mit. In dessen Lesart seien die "Maulwürfe" – Monsignore Lucio Ángel Vallejo Balda und die PR-Expertin Francesca Chaouqui – angestiftet worden, den Autoren Geheimdokumente in großer Zahl überlassen zu haben. Der Vatikan untersuche nun auch, ob es weitere Informanten im Kirchenstaat gegeben hat oder gar noch gibt.

In Nuzzis Buch Alles muss ans Licht und in Fittipaldis Avarizia ("Geiz") versuchen die Autoren zu beweisen, dass im Vatikan Gelder in großem Stil veruntreut wurden – so seien Spenden für kranke Kinder für Luxuswohnungen von Kardinälen entwendet worden.

Zwar hatte Papst Franziskus nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Anfang 2013 eine eingehende Untersuchung zur Beseitigung der Missstände angeordnet – und diese hat auch schon zu Konsequenzen geführt -, doch die Öffentlichkeit wollte auch er heraushalten. Die fast zeitgleiche Publikation der Bücher sei ein wenig hilfreicher "Fehler" und "bedauernswerter Akt".

Nuzzi gab sich am Donnerstag in Wien bei der Präsentation seines Buches betont gelassen zu den Ermittlungen. Er wies darauf hin, dass die italienische Verfassung nicht zuletzt auch die Pressefreiheit schützen müsse. Verblüfft sei er vom Umstand gewesen, dass sein und Fittipaldis Name öffentlich gemacht wurden: "In Italien werden Personen, gegen die Ermittlungen geführt werden, durch das Ermittlungsgeheimnis geschützt." (gian, APA, 12.11.2015)

  • Gianluigi Nuzzi (Bild) und Emiliano Fittipaldi im Visier des Vatikans.
    foto: apa/epa/giorgio onorati

    Gianluigi Nuzzi (Bild) und Emiliano Fittipaldi im Visier des Vatikans.

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