ORF-Radio: Neuen Standort "mitgestalten"

11. November 2015, 17:54
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Für ein "starkes, eigenständiges Radio" stimmten Mitarbeiter mit der Wahl von Gudrun Stindl, der neuen Betriebsratschefin im Funkhaus

Wien – Für einen pragmatischen Umgang mit der ORF-Standortfrage stimmten am Dienstag die Radiomitarbeiter bei der Wahl zu ihrem neuen Betriebsrat: Die Liste von Gudrun Stindl (Wissenschaft, davor Ö3 und Radio Niederösterreich) erhielt – wie berichtet – fünf nach zuvor zwei Mandaten (als Liste "Ö3 for you"). Sie löst die bisher stimmenstärkste Liste von Zentralbetriebsrat Gerhard Moser ab, die vier statt fünf Mandate erreichte, vor der Orchesterliste mit einem statt bisher zwei Mandaten. 210 der 473 gültigen Stimmen entfielen auf Stindls Liste "#Radio".

Das Ergebnis könnte Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse im Stiftungsrat haben. Der Zentralbetriebsrat hat fünf von 35 Plätzen inne. Das Gremium wählt am 9. August 2016 den nächsten ORF-Generaldirektor. Derzeit haben Moser und Sozialdemokraten je zwei Mandate im Stiftungsrat, die bürgerliche Liste von Monika Wittmann eines. Stindl kandidierte 2012 auf Wittmanns Liste, sie ist Mitglied des Zentralbetriebsrats. VP-Nähe weist sie trotzdem von sich, was der scheidende Radiobetriebsrat Moser als "schlicht hanebüchen" bezeichnet.

Moser würde ja gratulieren, aber ...

Moser würde Stindl auch "von Herzen alles Gute wünschen, das ist auch gemeinhin mein Stil, nur ist es hier nicht möglich", so Moser weiter. "Auch wenn Stindl hundertmal betont, sie sei unabhängig, sie wird die ihr nachgesagte ÖVP-Nähe nicht los. Ich halte diese auch nicht für schlimm, nur möge sie so ehrlich sein, dafür auch zu stehen. Jetzt als 'Unschuld vom Lande' zu kommen, zu betonen, sie sei auf der VP-nahen Liste nur aufgetaucht, weil die Kooperation mit der von mir übrigens sehr geschätzten Monika Wittmann so gut gewesen sei, ist schlicht hanebüchen. Kollegin Wittmann möge die Zusammenarbeit selbst beurteilen, für mich und viele andere im Zentralbetriebsrat hat sie sich als unfaires Hick-Hack bis hin zur glatten Demontage präsentiert."

Dennoch wünsche er der neuen Radio-Betriebsratsvorsitzenden Glück. "Sie wird es brauchen, nicht nur, weil wir im ORF und insbesondere im Radio in einer brisanten Umbruchsituation stehen, sondern vor allem deshalb, weil die Kollegin bisher weder im Radiobetriebsrat noch im Zentralbetriebsrat durch besonders intensiven Arbeitseinsatz aufgefallen ist", meinte der Zentralbetriebsratsobmann. "Wir als tatsächlich unabhängige Betriebsräte im Radio werden unsere Arbeit jedenfalls intensivieren, denn wir werden die Kolleginnen und Kollegen mit Sicherheit nicht einem ungewissen Schicksal und, was etwa Verhandlungen anbelangt, weithin unerfahrenen Vertretern aussetzen."

Stindl für neue Tonalität

"Ich denke, viele wünschen sich eine andere Tonalität im Haus und ein Nach-vorne-Blicken mit Realitätssinn", sagt Stindl auf Anfrage. In ihrem Programm tritt sie für ein "starkes, eigenständiges Radio" ein. Sie hält es für falsch, dass das Funkhaus aufgegeben wird: "Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass es derzeit einen aufrechten Stiftungsratsbeschluss gibt. Und wir daher nach vorne blicken müssen. Am neuen Standort Küniglberg will sie "mitgestalten", sich für Stadtstudio und Verkehrskonzept einsetzen.

Der Job des Radiobetriebsrats selbst hat womöglich ein Ablaufdatum: Die neue Struktur sieht ab 2021 einen Newsroom sowie ein Führungsduo für Information und Programm über alle ORF-Medien vor. Ein Betriebsratsbereich Radio wäre dann gar nicht mehr vorgesehen.

Die Gegner der Übersiedlung geben ihren Widerstand nicht auf. Der Grüne Wolfgang Zinggl brachte am Mittwoch einen Entschließungsantrag im Parlament ein. Ein Gutachten der Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben" weist auf "grundlegende Mängel" im Verkaufsprozess hin. Die Anbotsfrist endete am Mittwoch mit einer "großen Anzahl an Interessenten", wie aus dem ORF zu hören ist. Die Entscheidung nach dem Bieterverfahren fällt im ersten Quartal 2016. (prie, APA, 11.11.2015)

  • Gudrun Stindl ist neue Radiobetriebsratschefin.
    foto: orf

    Gudrun Stindl ist neue Radiobetriebsratschefin.

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