Roter Teppich statt roter Wein bei Rohani-Besuch in Paris

11. November 2015, 16:43
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Der Versöhungsbesuch des iranischen Präsidenten in Frankreich fällt fast ins Wasser – weil Gastgeber Hollande darauf besteht, Wein zu servieren

Man könnte darüber schmunzeln, doch die Frage ist politisch todernst: Scheitert die Annäherung zwischen Iranern und Europäern nach Jahren diplomatischer Eiszeit an der Getränkefrage? Nächste Woche wird der iranische Präsident Hassan Rohani in Paris erwartet, und für beide Seite ist der Besuch – eine Premiere in diesem Jahrhundert – von höchster Bedeutung. Teheran will endlich die Sanktionen überwinden, Frankreich das einst milliardenschwere Iran-Geschäft neu lancieren. Um vergessen zu machen, dass er in der Atomfrage wie gegenüber dem syrischen Assad-Regime einen ausnehmend harten Kurs gefahren ist, will Hollande seinem Gast den roten Teppich ausrollen und seine Delegation comme il faut bewirten.

Genau das ist aber der neue Haken. Die streng muslimischen Iraner ließen ihre Gastgeber wissen, dass sie ihr Pariser Mittagessen "halal" wünschten, das heißt, ohne Schweinefleisch und Alkohol. Letzteres ist für Frankreich aber ein "No-Go": Schon wegen des gastronomischen Anspruchs, aber auch wegen des strikten Laizismus ist es für Frankreich schlicht undenkbar, aus religiösen Gründen auf einen guten Bordeaux-Jahrgang zu verzichten. Dass damit in Frankreich wirklich nicht gespaßt wird, hatte 1999 schon der damalige Präsident Jacques Chirac klargemacht, als er wegen der Weinfrage einen ganzen Besuch seines iranischen Amtskollegen Mohammed Khatami erbost absagte. Die beiden trafen sich erst ein halbes Jahr später – zu einem "Goûter", einem ohnehin alkoholfreien Nachmittagsimbiss.

So weit will es Holland jetzt nicht kommen lassen. Als Ausweg ließ er den Gästen ein Frühstück mit Croissants und Orangensaft vorschlagen. "Zu billig", winkte Teheran laut der Pariser Radiostation RTL ab. Das Elysée schweigt zu der Frage, plant nun aber offenbar ein zweistündiges Gespräch, eventuell auch bei einem "Goûter". Rohani will dabei dem Vernehmen nach den Kauf von Airbus-Flugzeugen in Aussicht stellen und den französischen Erdöl- und Autokonzernen die Tür zum iranischen Markt öffnen. Angestoßen wird dazu wohl – den champagnergewöhnten Franzosen wird davon jetzt schon schwindlig – mit einem Glas Perrier. (Stefan Brändle, 11.11.2015)

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